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Legion Condor in Spanien Flieger aus Adelheide schon vor 1939 im Krieg

Von Dirk Hamm | 19.08.2017, 13:12 Uhr

Delmenhorst Beim großen Schautag 1938 in Adelheide wurden noch Attrappen bombardiert. Doch schon ab 1936 waren Flieger von hier nach Spanien in einen realen Krieg verlegt worden.

Eine Ausstellung, die noch bis zum 29. August im Lichthof der Volkshochschule auf der Nordwolle zu sehen ist, lenkt den Blick auf den Spanischen Bürgerkrieg und die Rolle der Wehrmacht in dem blutigen Konflikt von 1936 bis 1939. Mit der sogenannten Legion Condor trug die deutsche Luftwaffe ihren Teil dazu bei, den Aufständischen gegen die Republik unter General Francisco Franco zum Sieg zu verhelfen. Bis 1975 sollte Franco als Diktator über Spanien herrschen.

Lokale Gruppe fordert Aufarbeitung

Die lokale Gruppe „Gegen jeden Krieg“ hat die Ausstellung zum Anlass genommen, eine Aufarbeitung der Beteiligung des Geschwaders Boelcke, das in der NS-Zeit in Teilen auf dem Fliegerhorst Adelheide stationiert war, am Luftkrieg in Spanien und zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Polen zu fordern. Die Gruppe kritisiert, dass die seit einem Jahr im Internet zugängliche „Garnisonsgeschichte der Stadt Delmenhorst“ diesen Aspekt weglasse.

Initiator der Garnisonschronik weist Kritik zurück

„Persönlich getroffen“ von den Vorwürfen fühlt sich Kay Sachse, Initiator der von einem ehrenamtlichen Team in mehrjähriger Kleinarbeit zusammengestellten Garnisonschronik. Sachse vermutet hinter den Anwürfen die generelle Ablehnung einer angemessenen Gesamtwürdigung der Delmenhorster Garnisonsgeschichte inklusive der Bundeswehr durch eine Gruppierung, die auch weit in das linke Spektrum hineinreicht. „Die Bundeswehr ist ein Novum in der deutschen Militärgeschichte, sie hat dem Frieden gedient“, betont Sachse. Die Dokumentation sei lediglich dem Garnisonsgeschehen am Standort Delmenhorst zugedacht gewesen.

Flugplatzbau zunächst streng geheim

Die Rolle des Fliegerhorsts Adelheide im Spanischen Bürgerkrieg und darüber hinaus hat Paul Wilhelm Glöckner bereits vor Jahren in einem Kapitel in dem gemeinsam mit Werner Garbas herausgegebenen Buch „Delmenhorst in den Kriegs- und Nachkriegsjahren“ aufgezeigt. Der Militärflugplatz war in den Jahren 1935 und 1936 errichtet worden.

Anfangs streng geheim, wurde das Bauprojekt erstmals im März 1936 in der Presse erwähnt. Nur kurze Zeit später wurden die ersten Flieger nach Adelheide verlegt. Besondere Notiz nahm die Delmenhorster Bevölkerung von der Militäreinrichtung zwei Jahre später: Am 6. März 1938 wurde dort der „Tag der Luftwaffe“ ganz groß aufgezogen, mehr als 100000 Besucher aus ganz Nordwestdeutschland verfolgten Vorführungen von Bombenangriffen auf ein Attrappendorf.

Zur Legion Condor nach Spanien abgestellt

Die Gäste auf dem Militärflugplatz wussten nicht, dass deutsche Piloten schon seit Längerem in echte Kriegshandlungen verwickelt waren, wie Glöckner darlegt. Zum Zeitpunkt des Schautags von 1938 waren immer wieder auf dem Fliegerhorst ausgebildete Flugzeugbesatzungen zur Tarnung scheinbar nach Berlin verlegt worden. In Wirklichkeit wurden die Besatzungen zur damals noch geheim gehaltenen Legion Condor nach Spanien abgestellt.

Auch im Krieg gegen Polen im Einsatz

Erst nach dem Sieg Francos und der Rückkehr der Legion Condor nach Deutschland im Sommer 1939 wurde Deutschlands Teilnahme am Bürgerkrieg in Spanien publik gemacht, Hitler nahm eine Parade in Berlin ab. Auch in Adelheide wurde den in Spanien eingesetzten Soldaten in einer Feierstunde gedankt. Nach Beginn des deutschen Einmarsches in Polen am 1. September 1939 waren laut Glöckner ebenfalls wieder Besatzungen aus Adelheide am Luftkrieg beteiligt.