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Lehrermangel Gymnasiallehrer füllen Lücken an Delmenhorster Grundschulen

Von Frederik Grabbe | 31.08.2017, 12:07 Uhr

Weil Delmenhorster Grundschulen das Personal fehlt, sollen nun Gymnasiallehrer dort aushelfen. Das stellt Schulleitungen in Planungsaufgaben vor große Herausforderungen. Ein Lehrer schildert, wie schwierig diese Aufgabe sein wird.

Der Lehrermangel an Grundschulen setzt derzeit die hiesigen Unterrichtsplaner von fünf Delmenhorster Grundschulen und den zwei Gymnasien unter Druck. Weil Grundschulen das Personal fehlt, sollen dorthin niedersachsenweit Gymnasiallehrer abgeordnet werden und dort die Lücken füllen. Wortwörtlich auf den letzten Drücker erfuhr das Delmenhorster Gymnasium an der Willmsstraße davon.

Schule wurde er am zweiten Schultag informiert

Am Vormittag zwei Tage nach dem Start in dieses Schuljahr, so schildert es Stefan Nolting, Schulleiter am Willms-Gymnasium, mussten alle Unterrichtsplanungen verworfen werden. „Der Sachstand ändert sich von Tag zu Tag. Derzeit 63 Unterrichtsstunden sind durch zehn Kollegen abgeordnet“, sagte Nolting am Dienstag. Ursprünglich sollte seine Schule noch mehr Primarstufenunterricht abdecken. „94 Stunden sind zunächst angefragt worden. Dann wäre aber die Aufsichtspflicht verletzt worden“, habe Nolting argumentiert. Mit der nun ausgehandelten Lösung mit der Landesschulbehörde kommt das Willms laut dem Schulleiter auf eine Unterrichtsversorgung von 95,5 Prozent. Im Jahr 2016 waren es übrigens nach im März veröffentlichten Zahlen des Kultusministeriums 99,2 Prozent. 

Landesschulbehörde: „Personal- und Klassenveränderungen sind Alltagsgeschäft“

Mit seiner Meinung, was er davon hält, derart kurzfristig darüber informiert worden zu sein, dass einige seiner Lehrkräfte einen Teil ihrer Arbeitszeit an Grundschulen zu verrichten haben, hält Nolting sich zurück. „Das sind die Rahmenbedingungen, mit denen wir arbeiten.“ Die Landeschulbehörde spricht hingegen davon, Gymnasien und Gesamtschulen bereits im Juni informiert zu haben. „Personal- und Klassenveränderungen in den Sommerferien sind sowohl für Schulleitungen als auch für die Behörde nichts Außergewöhnliches, sie sind Alltagsgeschäft“, teilt sie auf Anfrage mit. Allerdings bestätigt auch das Max-Planck-Gymnasium Noltings Angabe zum Zeitpunkt der Information.

Katholische Wilhelm-Niermann-Grundschule ist eine der Schulen, die Hilfe erhält

Eine der Schulen, denen Noltings Lehrkräfte aushelfen, ist die katholische Wilhelm-Niermann-Grundschule. Hier unterstützt ein Gymnasiallehrer mit acht Stunden in der Woche, sagt Schulleiterin Birgit Mertel-Süßmuth. Insgesamt spricht sie von 86 derzeit abgeordneten Unterrichtsstunden durch Gymnasiallehrer an Delmenhorster Grundschulen. Wann der Kollege vom Gymnasium aber seinen Dienst beginnt, weiß Mertel-Süßmuth noch nicht. Dies liege unter anderem daran, dass sich die Gymnasien noch mit der Landesschulbehörde letztendlich abstimmen müssten. Hieraus entsteht aber für den Moment ein arger Engpass: 16 Stunden sind aktuell nicht versorgt, sagt Mertel-Süßmuth. Diese Zahl kommt auch zustande, weil bereits andere Grundschulen mit besserer Unterrichtsversorgung drei Kollegen an die Wilhelm-Niermann-Grundschule abordnen werden. Durch die Hilfe der Kollegen wird Mertel-Süßmuth laut Planung die Unterrichtsversorgung von 84 auf jetzt 98 Prozent hochschrauben können. Dass in der Vergangenheit übrigens wiederholt Haupt- oder Realschullehrer ausgeholfen haben, erwähnt sie nur am Rande.

Maxe ordnet 17 Unterrichtsstunden ab

Wie Cordula Fitsch-Saucke, Leiterin des Max-Planck-Gymnasiums berichtete, sind sieben Lehrer mit insgesamt 17 Unterrichtsstunden an Delmenhorster Grundschulen abordnet. Dieser Ausfall werde am Maxe unter anderem durch Mehrarbeit einiger Lehrer und durch die Regulierung von Ganztagsangeboten kompensiert. Zudem wurde schon vor den Ferien vereinbart, dass das Maxe 16 Stunden an die Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule sowie zehn Stunden ans Willmsgymnasium für fachspezifischen Unterricht abordnet. Laut Fitsch-Saucke liege die Unterrichtsversorgung am Maxe aktuell deutlich unter 100 Prozent. Durch Personalveränderungen ab den Herbstferien werde der Wert noch sinken. Ohnehin könnten sich die jetzigen Angaben zu den Abordnungen durch Personalausfälle im laufenden Schuljahr im geringen Maße noch ändern, erläutert die Landesschulbehörde auf Anfrage.

Gymnasiallehrer gar nicht dafür ausgebildet

Vor Erst- bis Viertklässlern unterrichten zu müssen, ist unterdessen für Gymnasiallehrer eine „echte pädagogische Herausforderung“, denn für diese Arbeit sind sie gar nicht ausgebildet. Das sagt ein dem dk bekannter Lehrer, der an einer Grundschule aushelfen muss. Erschwerend komme neben der extrem kurzfristigen Information seitens der Schulbehörde hinzu, dass nun ein Teil der Unterrichtsvorbereitungen für das Halbjahr am Gymnasium „für die Tonne“ seien.

Niedersachsenweit sollen Gymnasiallehrer 2029 Stunden an Grundschulen unterrichten

 Die Abordnungen treffen auch andere Regionen. Die Landesschulbehörde teilte am Mittwoch mit, dass es landesweit 401 Abordnungen von Gymnasiallehrern an Grundschulen gebe. Insgesamt werden diese 2029 Unterrichtsstunden abdecken.

Je nach Fall gelten die jetzigen Abordnungen für ein halbes bis ein Jahr. Wird sich also bis zum Februar die personelle Situation an den Grundschulen nicht verbessert haben, könnte es sein, dass Gymnasiallehrer an Grundschulen bleiben müssen oder durch Kollegen ausgetauscht werden. Das kommende Halbjahr ab dem 1. Februar plant Mertens-Süßmuth ab November/Dezember. „Ich hoffe, dass dann alles besser läuft.“