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Lesung im Haus Coburg „Turbo-Kapitalismus“ statt ländlicher Idylle

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 03.06.2016, 17:11 Uhr

In seinem Reisebericht schreibt Autor Matthias Politycki über das Oldenburger Land – und vergleicht es mit der Millionenmetropole Osaka. Ein Fazit: Die Provinz gibt es nicht mehr. Am Donnerstag trug Politycki im Haus Coburg vor.

Eine Provinz gebe es heute nicht mehr. Denn diese sei inzwischen lediglich auf andere Weise globalisiert als die Metropolen. Zu diesem Fazit kommt der Schriftsteller Matthias Politycki aufgrund einer einwöchigen Reise durch das Oldenburger Land, von welcher er am Donnerstagabend vor rund 25 Zuhörern im Haus Coburg berichtete.

Reisebericht übers Oldenburger Land

Politycki war im Herbst 2015 von Oldenburg nach Cloppenburg, Lohne, Delmenhorst, Nordenham, Horumersiel und Westerstede gereist, um im Rahmen des „Landgang-Stipendiums“ der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg und des Kulturbüros Oldenburg einen Reisebericht über die Region zu verfassen. „Wo ist überhaupt noch Provinz? Das Oldenburger Land, von Osaka aus betrachtet“ lautet der Titel des Aufsatzes, den der Autor in der Folge unter den Eindrücken seiner Reise geschrieben und in einer „Lesefassung“ dem Delmenhorster Publikum vorgetragen hat. Die Publikation steht noch aus.

Oldenburger Land versus Millionenstadt Osaka

Politycki nutzt für seinen Blick auf das Oldenburger Land den kontrastreichen Vergleich zum japanischen Ballungszentrum Osaka, wo er bereits als „Writer in Residence“ an der Osaka City University gearbeitet hat. Gekonnt stellt er die Rush Hour der fernöstlichen Metropole dem Oldenburger Berufsverkehr gegenüber, zeichnet ein Bild der Ruhe vom hiesigen öffentlichen Raum im Vergleich zur Hektik des Alltags in Osaka. Die Zeichen der Globalisierung aber macht Politycki schließlich beiderorts aus – nur dass diese im Oldenburger Land nicht gar so offensichtlich seien, abgesehen vielleicht vom Beispiel der vielen Kebab-Buden. (Weiterlesen: Schüler präsentieren Mode im Haus Coburg)

Schön, aber nicht großartig

Letztlich beschreibt der Autor Osaka als großartig, nicht aber schön, das Oldenburger Land hingegen als schön, wenn auch nicht unbedingt großartig. Speziell an Delmenhorst gefällt dem passionierten Langstreckenläufer die Graft. Bei diesem Park handele es sich um ein „Pfund“, mit welchem Delmenhorst wuchern könne. Verhalten kritisch äußert sich Politycki in seinem Aufsatz dagegen über die Massenhaltung von Schweinen im Oldenburger Land. Er spricht von einem „Turbo-Kapitalismus“, an welchem sich die Globalisierung - der eben nur vermeintlichen - Provinz deutlich ablesen lasse.