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Lesung in Buchhandlung Der Lügenbaron kommt nach Delmenhorst

Von Marco Julius | 14.04.2017, 18:42 Uhr

In der Buchhandlung Jünemann schlüpft Johannes Mitternacht an zwei Abenden in die Rolle des Lügenbarons. Fake-News habe es nämlich schon vor weit über 200 Jahren gegeben.

Fake-News, alternative Wahrheiten – wer hat‘s erfunden? Für Buchhändlerin Sabine Jünemann und Schauspieler Johannes Mitternacht ist zumindest klar, dass der Freiherr von Münchhausen, besser bekannt als Lügbenbaron, mit seinen „wahren Abenteuern“ so aktuell ist wie selten zuvor. „Baron Münchhausen ist ein Könner als Wahrheitsverdreher, weshalb er auch wahrlich einzigartig ist“, betont Mitternacht.

Am 5. Mai und 19. Mai, jeweils freitags um 20 Uhr, schlüpft Mitternacht in der Buchhandlung Jünemann in die Rolle des fantasievollen Barons von Münchhausen. „Wir schauen immer, welche literarischen Jubiläen aktuell anstehen, um uns ein Thema herauszupicken“, sagt Sabine Jünemann. Mitternacht hat sich schon auf die Spuren von William Shakespeare und Kurt Tucholsky begeben, jeweils mit durchschlagendem Erfolg und großer Resonanz beim Publikum. Jetzt also, nicht nur Donald Trump sei Dank, steht der Lügenbaron im Zentrum der Lesung und des Schauspiels.

Gottfried August Bürger, deutscher Dichter der Aufklärung und bekannt geworden durch die Abenteuer des Lügenbarons, ist in diesem Jahr vor 270 Jahren geboren. Gleichzeitig jährt sich auch zum 220. Male der Todestag des Barons von Münchhausen.

Münchhausiade vom halben Pferd

Shakespeare, das sei natürlich hohe Literatur gewesen, sagt Mitternacht. Mit Münchhausen könne er sich mehr Freiheiten erlauben. „Vielleicht kommt auch die ein oder andere Münchhausiade ins Spiel, die von mir stammt“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Aber natürlich freue er sich auch darauf, seinen Ritt mit halbem Pferd auf der Kanonenkugel zum Besten geben zu dürfen. Viele Requisiten sollen zum Einsatz kommen, das passende Kostüm ist schon gefunden, Mitternacht will auch die Buchhandlung einbinden. „Wir holen uns die ganze Welt hierher“, sagt er. „Der Stoff schreit danach, erzählt zu werden.“ Er sei natürlich absolut der Wahrheit verpflichtet. Münchhausen sei eben ein Teufelskerl. Einer, der sich samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann, kommt eben nicht aus der Mode. Auch die Geschichte von den Tönen eines Posthorns, die an einem kalten Wintertag gefrieren, will Mitternacht wortgewandt zum Leben erwecken.

Waisenknabe Karl May

Übrigens, das hat Mitternacht verraten, wäre die Wahl statt auf Münchhausen fast auf Karl May gefallen. Der Erfinder von Winnetou und Old Shatterhand habe es mit den Fakten auch nicht so genau genommen. „Doch im Vergleich zu Münchhausen war er mit seinen Geschichten noch ein Waisenknabe“, sagt Mitternacht.