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Lesung in Delmenhorst Wilfried Stüven liest zur „Aktionswoche Alkohol“

Von Jan Eric Fiedler | 17.06.2015, 23:45 Uhr

Die Volkskrankheit Alkoholsucht wird selten in Romanen behandelt. „Im Schatten der Schwebefähre“ des Bremer Autors Wilfried Stüven ist einer davon. Anlässlich der bundesweiten Aktionswoche Alkohol hat Stüven ihn am Mittwoch in der Buchhandlung Jünemann in Delmenhorst vorgestellt.

Im Jahr 1962 hat der 13-jährige Johannes den ersten Vollrausch. Später wird für ihn das Trinken zum Alltag. Erst im neuen Jahrtausend bekommt der Protagonist in Wilfried Stüvens Roman „Im Schatten der Schwebefähre“ seine Krankheit in den Griff. Der Bremer Autor bot in seiner Lesung einen beklemmenden Einblick in die Alkoholsucht.

Jeder 20. ist alkoholsüchtig

„Für uns ist es toll, dass dieses wichtige Thema so Aufmerksamkeit bekommt“, sagte Henning Fietz von der Anonymnen Drogenberatung (drob), die die Aktionswoche in Delmenhorst begleitet, vor der Lesung. „Jeder zwanzigste Erwachsene zwischen 15 und 64 Jahren hat ernsthafte Probleme. Für viele ist der Umgang damit ein schambehaftetes Thema“, erklärte Fietz. „Es ist eine Krankheit und dennoch für viele eine Schande“, pflichtete ihm Stüven bei. Wichtig sei es, Alkoholismus als Krankheit anerkannt wird. „Das Nicht-Loskommen, dass man mit dem Gedanken an die Beschaffung des Alkohols aufwacht, das ist ein Symptom“, sagte Fietz. „Das ganze Leben wird um die Flasche organisiert“, ergänzte Stüven, der in seinem Roman auch eigene Erlebnisse verarbeitet hat.

Drogenberatung oft zu spät aufgesucht

Viele Menschen kommen zu spät zur drob, wenn aus dem Problem schon eine Krankheit geworden ist. „Es ist anonym und unverbindlich. Es beginnt mit einer Beratung, nicht gleich – wie von vielen befürchtet – mit einer Therapie“, versuchte Fietz die Angst vor der Hilfe zu nehmen. Er dankte Buchhändlerin Sabine Jünemann dafür, dass sie sich bereit erklärt hat, die Lesung zu veranstalten, obwohl das Thema „am Rande der Literatur spielt“.

Stüvens Roman geht gut aus

Diese Nische sieht auch Stüven für sein Buch. „Das Thema wird oft autobiografisch abgehandelt, selten in Romanform“, berichtete der Autor zu Beginn seiner Lesung vor knapp einem Dutzend Zuhörern. Beeindruckt habe ihn der Roman „Der Trinker“ von Hans Fallada. Auf diesen nahm er auch sogleich Bezug; „Falladas Roman endet in der Hoffnungslosigkeit, bei mir gibt es einen guten Ausgang.“ Dies betont er auch in dem Prolog seines Buches. „Man muss sich zuvor aber durch die Schattenseiten kämpfen“, sagte er – wie auch im Kampf gegen die Alkoholsucht.