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Literarisch, musikalisch, kulinarisch Delmenhorster „Kleine Klassik“ feiert Jubiläum

Von Marco Julius | 24.03.2017, 07:28 Uhr

Literarisch, musikalisch, kulinarisch: Die „Kleine Klassik“ mit Eckart Sohns feiert am Karfreitag Jubiläum. Bei der 50. Auflage seit der Premiere im Jahr 1996 musiziert das Trio „Les Troizettes“.

Eckart Sohns weiß bereits, was er am Karfreitag trägt – und was am dritten Advent. Frack natürlich. Denn Frack trägt er immer dann, wenn er zur „Kleinen Klassik“ lädt, zu jener Mischung aus von ihm gelesener Literatur aus verschiedenen Epochen, meist klassischer Musik und kleinen kulinarischen Köstlichkeiten, dargeboten von echten Könnern des Faches.

50. Ausgabe am Karfreitag

Am 14. April, 11.30 Uhr, ist es wieder soweit. Dann steht zugleich ein kleines Jubiläum an. Es ist die 50. „Kleine Klassik“ seit der Premiere im Jahr 1996. Die Idee zu der Veranstaltung, die sich schnell zu einem Klassiker im Delmenhorster Kulturkalender entwickelt hat, „ist an der Theke entstanden“, gibt Sohns freimütig zu. Eine Schnapsidee war es dennoch nicht. „Mit Deiner Stimme musst Du doch mal was machen“, habe einer gesagt. Tief und warm ist sie, die Stimme. 42 zahlende Gäste kamen zum Auftakt im „Marco Polo“ gegenüber des City-Hotels. „Die Leidenschaft für Literatur war schon immer da“, sagt Sohns, der Kurt Tucholsky noch immer zu den größten Schriftstellern deutscher Sprache zählt. Tucholsky hat es so auch immer wieder in die Programme der „Kleinen Klassik“ geschafft. Aber auch Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Erich Kästner, Bert Brecht, ja sogar Walther von der Vogelweide oder Ovid hat Sohns schon gelesen. Ein gewisser Anspruch lässt sich aus der Liste der Autoren natürlich ablesen. „Man muss sein Publikum ja nicht unterfordern“, sagt der End-Sechziger, der auch dem Kulturkreis Delmenhorst vorsitzt. Der erhobene Zeigefinger müsse es zwar auch nicht gleich sein, aber mit den gelesenen Texten greife er durchaus auch „harte und gesellschaftlich relevante Themen“ auf. Das gelte auch für die Moderationen und Überleitungen.

„Les Troizettes“ aus Berlin kommen

Zur Jubiläumsveranstaltung, die unter dem Titel „Feuerwerk der Lebensfreude“ steht, hat er unter anderem Texte von Franziska zu Reventlov, Anfang des 20. Jahrhunderts Teil der Münchner Bohème, und Alexander Moszkowski (1851-1934), Schriftsteller und Satiriker, ausgewählt. Für den musikalischen Part konnte der Literatur-Freund das Berliner Trio „Les Troizettes“ verpflichten. Isabelle Engelmann (Piano), Katja Schott (Violine) und Romy Nagy (Cello) verbinden die klassische Musik mit viel Humor. „Ein echtes Erlebnis“, verspricht Sohns, der vielen noch aus seiner Zeit als dk-Lokalsport-Chef bekannt ist.

Seit 21 Jahren im Kulturkalender

Zum Konzept der „Kleinen Klassik“ gehört seit 21 Jahren, dass die Zuhörer und Zuschauer nicht in einem üblichen Konzertsaal sitzen, sondern in einem Restaurant oder Café an großen runden, hübsch eingedeckten Tischen Platz nehmen. Wein und Kaffee gehören dazu. In der Pause des Programms wird ein „kulinarischer Zwischenstopp“ gereicht, ein Vorspeisenteller, der im Komplettpreis inbegriffen ist.

Im 13. Jahr bei Schierenbeck

Seit 2004 ist die Gastronomie Schierenbeck Heimat der „Kleinen Klassik“, die durchaus schon bis zu 160 Gäste pro Vormittag angezogen hat. Viel Werbung hat Sohns nie gemacht, ganz bewusst nicht. „Die ,Kleine Klassik‘ steht im Vorfeld so gut wie nie in der Zeitung, höchstens als kleine Meldung. Es gibt auch keine Tageskasse“, erläutert Sohne. „Wir haben eine Gästeliste, die telefonieren wir rund sechs Wochen vor dem jeweiligen Termin ab.“ Wer auf die Liste möchte, kann sich unter der Telefonnummer (04221) 14332 bei Sohns melden. 40 Euro kostet eine Karte für Karfreitag.

Jeans und Turnschuhe nicht gern gesehen

Sohns stellt übrigens nicht nur Ansprüche an sein Programm, sondern auch ans Publikum. Das dürfe sich gern in Schale schmeißen. „Das bedeutet nicht, dass die Gäste der ,Kleinen Klassik‘ zur großen Abendgarderobe genötigt sind“, sagt er. Aber dass er Frack trage, solle ein Zeichen dafür sein, dass Jeans und Turnschuhe eher nicht die Regel sind, quasi als Verbeugung vor Kunst und Künstlern.