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"Littering" in Delmenhorst Warum Menschen Müll in die Öffentlichkeit werfen

Von Vincent Buß | 18.02.2019, 21:16 Uhr

Delmenhorst soll Ende März wieder vom Müll befreit werden. Doch warum kommt es überhaupt so weit?

Dass Vermüllung auch in Delmenhorst ein Problem ist, hätte beim Verfassen dieses Artikels nicht klarer werden können. Als eine Situation nachgestellt wurde, in der jemand auf den Grünstreifen neben dem neuen Parkhaus Müll wegwirft, ist der Fotograf und Autor in einen Hundehaufen getreten. Auch das ist eine Form von Müll im öffentlichen Raum, die mit dem Wort "Littering" gemeint ist.

Das wird alles weggeworfen

Hundekot nehmen Menschen allerdings nicht mehr als das Hauptproblem wahr. So heißt es zumindest in einer psychologischen Studie, die verschiedene deutsche Großstädte zusammen mit dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Humboldt-Universität in Berlin durchgeführt hat. Stattdessen störten sich im Jahr 2016 viele an Müll auf Gehwegen und dabei vor allem an Take-away-Verpackungen.

Was in Delmenhorst noch alles gefunden wird, weiß Andreas Wende vom Baubetrieb der Stadt. Die Mitarbeiter sammeln nämlich zwischen April und November auch Müll an Straßen, auf Parkplätzen und in Grünanlagen. Neben Verpackungen werden laut Wende oft auch Windeln und Größeres gefunden: "Zum Beispiel Einkaufswagen oder Fahrradteile oder ganze Fahrradrahmen bis hin zum Autoreifen."

Gibt es bestimmte Problemzonen?

Auf bestimmte Plätze kann Wende die Vermüllung nicht verorten. "Müll und Unrat findet sich natürlich überall dort, wo sich Menschen bewegen." Jedes Jahr würden die Orte wechseln. Einen generellen Schwerpunkt gibt es ihm zufolge dennoch: Grünflächen. "Denn dort halten sich gerade in den Sommermonaten immer mehr Menschen auf." Deshalb hänge die Müllmenge unter anderem von zwei Faktoren ab: der Anzahl der Veranstaltungen im Stadtgebiet und dem Wetter.

Wenn es um die vom Littering betroffenen Gebiete geht, nennt die Studie auch soziale Brennpunkte und bereits verschmutzte Gebiete. Letzteres kann Britta Fengler bestätigen, die für die Abfallwirtschaft Delmenhorst GmbH (ADG) spricht: "Generell ist es so, dass achtlos entsorgter Unrat so schnell wie möglich weggeräumt werden sollte, sonst wird etwas dazu gelegt."

Wer Müll wegwirft und warum

Warum werfen Leute überhaupt Abfall an den Straßenrand? Vor allem, weil sie bequem seien oder keine Erziehung diesbezüglich genossen hätten, heißt es in der Studie. Aber auch überfüllte oder versteckte Abfalleimer könnten zum Littering anregen.

"Sicher könnte man an einigen Stellen mehr Mülleimer aufstellen oder diese öfter leeren", gibt Wende vom Baubetrieb zu, "aber wann und wo genau?" Schließlich sei es schwierig Schwerpunkte im Stadtgebiet genau zu bestimmen.

Wie Fengler auch plädiert er für Aufklärung, insbesondere bei Kindern. Interessanterweise stören sich der Studie zufolge jedoch gerade Kinder und Jugendliche an Müll in der Öffentlichkeit. Die Gruppe, die am meisten Müll wegwirft, sind allerdings junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren. Aber auch die Generation Ü50 "littert" stärker – vor allem, wenn es um Hundekot geht.

Tipps gegen die Vermüllung

Um gegen die Vermüllung vorzugehen, schlagen die Verfasser der Studie vor, auf die Verbundenheit der Menschen zu ihrem Wohnort zu setzen. Sie könnten etwa Patenschaften für bestimmte Bereiche übernehmen und somit verantwortlich für die dortige Sauberkeit sein. Dadurch entstehe soziale Kontrolle.

Auf diese setzt auch Fengler. Sie bittet:

„Denjenigen ansprechen, der Müll achtlos entsorgt.“

Aber auch die Stadtwerke helfen weiter. "Wer eine verunreinigte Stelle in Delmenhorst im öffentlichen Raum entdeckt, kann unter der Rufnummer (04221) 12764444 die Leitstelle 'Sauberes Delmenhorst' anrufen", erklärt Fengler. "Unsere Mitarbeiter kümmern sich dann um die Reinigung."