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„Looking for Jesus“ Videokunst in Delmenhorster Stadtkirche

Von Mareike Bader | 09.09.2017, 12:46 Uhr

Bis zum 22. Oktober ist die Stadtkirche nur beschränkt zugänglich. Denn dort wird eine Videoarbeit gezeigt, die sich mit dem „Jerusalem-Syndrom“ auseinandersetzt.

Nach drei Jahren ist das Haus Coburg wieder mit einer Ausstellung in der Stadt vertreten. Nach Wasserturm und Markthalle ist dieses Mal die Stadtkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit Ort des Geschehens. Hinter dem Projekt stehen Dr. Annett Reckert und Aneta Palenga von der Städtischen Galerie sowie Pfarrer Thomas Meyer von der Stadtkirche.

Gemeinsam haben sie das Projekt erarbeitet, das sieben Wochen lang bis zum 22 Oktober zu sehen sein wird. Die Vernissage findet am Sonntag nach dem Gottesdienst ab 12 Uhr statt. Dann ist auch die Künstlerin Katarzyna Kozyra anwesend. Die Künstlerin spreche neben polnisch und englisch auch deutsch, versichert Reckert.

Erinnerung an Grundriss von 1789

Erstmals ist wird Katarzyna Kozyras Videoarbeit in einer aktiven Gemeinde gezeigt. Doch das greift ins Kirchengeschehen ein. Der Altarraum der Stadtkirche, der 1908 angebaut wurde, ist nun während der Ausstellungszeit durch eine Wand abgetrennt – zumindest optisch. „Wir erinnern an den Grundriss von 1789“, sagt Reckert. Auch die Öffnungszeiten der Kirche sind in der Zeit eingeschränkt.

Es gehe ums Staunen, aber auch die Besucher anzuregen sich zu hinterfragen. „Warum glaub ich an jemanden“, sei eine mögliche Fragestellung, sagt Reckert.

Interviews mit Betroffenen des „Jerusalem-Syndroms“

Katarzyna Kozyra zeigt in ihrem Film „Looking for Jesus“ Menschen, die glauben sie seien der Messias. Das Phänomen wird als „Jerusalem-Syndrom“ bezeichnet und sei medizinisch anerkannt, berichtet Palenga. Manche denken sie seien Jesus, aber auch andere biblische Figuren werden angenommen.

Elf Personen sind im Interview mit der polnischen Künstlerin zu sehen. Alle stammen aus dem großen Archiv, das die Künstlerin seit 2012 geschaffen hat. Daher der Untertitel „Interviews from the Archive“. Manche nur für zwei Minuten, manche länger. Das gut einstündige Video ist eine Vorabversion der geplanten Kinofassung, den Kozyra speziell für Delmenhorst geschnitten hat.

Es gebe viele Auslegungen, sagt Palenga. Meyer berichtet von spannenden Reaktionen nach der Vorabsichtung. „Für spiriturelle Erfahrungen sind die Norddeutschen nicht gerade Spezialisten“, sagt der Stadtkirchen-Pfarrer.

„Art Angels“ helfen mit Kurzerläuterungen weiter

Die Mitglieder des Freundeskreises Haus Coburg, der Kirchengemeinde sowie von Copartikel begleiten während der Ausstellungszeit mittwochs von 13 bis 14 Uhr, donnerstags von 16 bis 17 Uhr und sonntags von 15 bis 17 Uhr als „Art Angels“ mit Kurzerläuterungen den Film. Dieser enthält sonst keine Erklärungen, ist dementsprechend kein Dokumentarfilm, erklärt Reckert.

Der Kunstfilm „Looking for Jesus – Interviews from the Archive“ ist bis zum 22. Oktober dienstags bis freitags von 13 bis 19 Uhr sowie am Wochenende von 11 bis 17 Uhr in der Stadtkirche zu sehen.