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„Love and Peace“ John Lennons Songs in Delmenhorster Apostel-Kirche

Von Marco Julius | 10.10.2016, 13:36 Uhr

Unter dem Titel „John Lennon, seine Lieder und die Religion“ hat am Sonntag eine besondere Konzertlesung rund 100 Zuhörer in die Delmenhorster Apostel-Kirche gezogen.

Die zur Ikone gewordene runde Sonnenbrille, die berühmte olivgrüne US-Military-Jacke, die Gitarre nahe unterm Kinn: Johnny Silver aus Osnabrück nähert sich John Lennon (1940-1980) optisch an. Doch es ist dann vor allem Silvers Gesangsstimme, die an den ehemaligen Beatle , vielleicht der größte Rock-Star aller Zeiten, erinnert. Bis in die kleinste Phrasierung hinein singt er die Songs stimmlich nah am Original. Doch beginnen wir von vorn. „Love and Peace: John Lennon, seine Lieder und die Religion“ heißt die Konzertlesung, die am Sonntagnachmittag – dem Tag, an dem Lennon 76 Jahre alt geworden wäre – rund 100 Besucher in die Apostel-Kirche in Düsternort zog. Konzipiert von Wolfgang und Andrea Bönisch aus Stadthagen, sollte der Abend nicht nur dem Titel gerecht werden, sondern auch Menschen in die Kirche holen, die sonst nicht oder nicht mehr in die Gottesdienste kommen. Bildbeiträge, Bibelworte und biografische Aspekte aus Lennons Leben standen dabei neben den von Silver zur Gitarre vorgetragenen Songs.

Frieden, Liebe und Verständigung.

Es gehe nicht darum, Lennon, für viele selbst eine Art Heiliger, und seine oft widersprüchliche Haltung zum Glauben an sich für die Kirche zu vereinnahmen, sagte Andrea Bönisch, dennoch wurde der Versuch gemacht, Leben und Gedanken des Sinn-Suchers Lennon in Bezug zum Evangelium zu setzen. Das gelang mal mehr, mal weniger überzeugend, bot aber genügend Anregung für eigene Gedanken und den Austausch. Viele Lieder Lennons, zu Beatles- und zu Solo-Zeiten, tragen die Botschaft von Frieden, Liebe, Gewaltlosigkeit und Verständigung in sich. „All you need is love“ und „Imagine“ etwa stehen dafür, von Silver in der stimmungsvoll ausgeleuchteten Apostel-Kirche überzeugend dargeboten. Die frühen, textlich vordergründig eher harmlosen Beatles-Liebeslieder allerdings auf die Botschaft der christlichen Liebe und Nächstenliebe zu reduzieren, greift mitunter zu kurz, stehen die Texte doch für den klausuliert formulierten Wunsch nach dem schnellsten Weg ins Bett – und das eher nicht allein. Und so wünschte sich manch ein Zuhörer, John Lennon (alias Johnny Silver) möge hin und wieder einen der für den Liverpooler typischen sarkastischen Kommentare abgeben, wenn Andrea Bönisch und Küster Christopher Bohlen, der die Lesung unterstützte, etwas zu salbungsvoll wurden. Doch Silver ließ nur die Musik sprechen. Doch was heißt nur? Lennon hat Klassiker der Musikgeschichte geschrieben, die mehr als nur einen Konzertabend füllen können. „Strawberry fields forever“, „Help“, „All my loving“, „Working class hero“, „Across the universe“, „Come together“, um nur einige zu nennen, hat Silver ausgewählt. Mit „Let it be“ und „Yesterday“ schmuggelt er auch noch zwei McCartney-Songs hinein.

Publikum geht im zweiten Teil mit

Im zweiten Teil des Abends ging das Publikum bei den Songs mit, klatschte und stimmte mit ein. In den Texten zwischen den Songs wurde Lennons lebenslange spirituelle Suche deutlich. Die christliche Kirche, Yoga, Zen, indische Gurus, die Urschrei-Therapie, Drogen, Sex: Lennon hat viele Wege ausprobiert. Ob es ihm gefiele, dass er heute Pate für eine Konzertlesung in der Kirche ist, lässt sich nicht sagen. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass Johnny Silver und Co. am Sonntag gezeigt haben, dass Lennons Texte, seine Musik und seine Geschichte noch heute viel zu sagen haben.