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Mammutprozess wegen Bandendiebstahls Delmenhorst: Polizei observierte Diebesbande monatelang

Von Ole Rosenbohm | 22.03.2017, 20:04 Uhr

Im Prozess gegen sechs Angeklagte wegen schweren Bandendiebstahls ist am Landgericht Oldenburg am Mittwoch der Hauptermittler als Zeuge aufgetreten. Es kam heraus: Die Polizei war über die Einbruchsserie in Tankstellen und andere Geschäfte schon frühzeitig gut informiert.

Erste Festnahmen gegen drei der Bandenmitglieder gab es schon, als die 35 aktuell vorgeworfenen Einbrüche noch gar nicht geschehen waren: Im November 2015 nahm die Polizei in Delmenhorst drei der sechs Männer beim Versuch fest, in einen Getränkemarkt einzusteigen. Dieser und fünf weitere Fälle wurden vor dem Amtsgericht längst mit Geldstrafen abgeurteilt. Die Polizei aber stieg in dieser Zeit erst richtig groß in die Nachforschungen ein.

Ermittler hörten schon früh Telefone ab und setzten Peilsender ein

 (Weiterlesen: Mammutprozess gegen Diebesbande gestartet) 

Dabei bedienten sich die Ermittler aller Mittel, hörten Telefone ab, verfolgten die Handy-Standortdaten und an drei Autos der Verdächtigen und heutigen Angeklagten wurden heimlich Peilsender angebracht. Fast im Monatsrhythmus erlaubte das Amtsgericht neue Observationen – oder verlängerte bestehende.

Facebookseite gibt Polizei Aufschluss

So hörten die Beamten mit, wenn die Männer über ihre „Arbeit“ sprachen und damit den nächsten Einbruch meinten oder vom „Spaziergang“, dem Auskundschaften der kommenden Tatorte. Aber nicht immer waren sie so vorsichtig: So manches Telefonat fand sogar während der nächtlichen Einbrüche statt. Und über Aussehen, Kleidung an den Tattagen oder Reisen von Bandenmitgliedern ins heimatliche Rumänien klärte die Beamten regelmäßig eine Facebookseite eines der mutmaßlichen Täter auf. So drangen die Ermittlungen der Polizei bis zu den Abnehmern der gestohlenen Zigarettenstangen vor. Offenbar handelt es sich um zwei Bremer Kioskbetreiber, bei denen die Ware „abgelagert“ wurde, so der Kommissar.

Angeklagte räumen die Taten ein

Fünf der sechs hatten bereits die vorgeworfenen Einbrüche gestanden. Am Mittwoch folgte der sechste – wenn auch widerwillig. Zunächst räumte der Mann nur sechs von acht verhandelten Einbrüchen ein, erst Stunden später, wohl unter dem Eindruck der Beweislast, die beiden anderen.

Angeklagter lehnt „Deal“ vor Gericht ab

Trotz dieses Geständnisses: Dem von Gericht und Verteidigung in sogenannten Rechtsgesprächen ausgehandelten Kompromiss wollte dieser Angeklagte nicht zustimmen. Dem Angebot des Gerichts zufolge würde ihn eine Haftstrafe von dreieinhalb bis vier Jahren erwarten. Zu viel, finden er und sein Verteidiger.

Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt. Ein Urteil ist bereits im April möglich.