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Mangelnde Bettenauslastung Delmenhorster Krankenhaus JHD droht Personalabbau

Von Michael Korn | 12.09.2017, 22:59 Uhr

Dem Delmenhorster Josef-Hospital droht aufgrund wirtschaftlicher Probleme ein Stellenabbau. Neu-Geschäftsführer Ralf Delker kündigte am Abend vor dem Stadtrat an, während der bevorstehenden Sanierungsphase weniger Mitarbeiter zu beschäftigen.

Das wirtschaftlich angeschlagene Josef-Hospital Delmenhorst (JHD) muss sich offenkundig gesundschrumpfen, um eine Überlebenschance zu haben. Neu-Geschäftsführer Ralf Delker bekräftigte am Dienstagabend vor teils entsetzten Stadtratspolitikern, dass „wir mit weniger Mitarbeitern arbeiten werden“. Wie viele der rund 1000 Arbeitsplätze betroffen sind, sagte er jedoch in der zunächst öffentlichen Beratung nicht. Anschließend wollte er hinter verschlossenen Türen weitere Details preisgeben. Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat sind jetzt gefordert, ein entsprechendes Sanierungskonzept zu verabschieden.

Schwächelnde Belegung kostet Millionen

Nach dk-Informationen bleiben täglich rund 50 der 300 Betten am Alt-Standort Wildeshauser Straße leer. Diese gravierende Lücke habe für die Einnahmesituation fatale Folgen – dem aus Klinikum und Josef-Stift fusionierten JHD fehlten so Millionen. Hauptursache für die schlechte Belegung sei ein neuerlicher Vertrauensverlust durch das Bekanntwerden der weiteren Gräueltaten von Patientenmörder Niels Högel. Des Weiteren setzten organisatorische und bauliche Missstände auf einigen Altstationen dem JHD finanziell und strategisch zu.

Zu viele Pflegekräfte auf Stationen

Delker, der in der öffentlichen Ratssitzung zunächst sehr allgemein von „strukturellen Problemen“ sprach, sah sich aufgrund bohrender Nachfragen aus den Fraktionen schließlich unter Zugzwang: „Ich brauche nicht jeden Mitarbeiter bei den Patientenzahlen“, sagte er. Die Aufgabe sei, mit weniger Pflegekräften auszukommen, die zudem „eine bessere Arbeit machen müssen als der Wettbewerb“. Keiner der Konkurrenzhäuser in der Region habe im Verhältnis „so viele Pflegekräfte auf Station wie wir“. Gleichwohl stellte der JHD-Chef, der eng mit dem Krankenhaussanierer EconoMedic zusammenarbeitet, in Aussicht, dass nach einer Phase der Restrukturierung auch wieder „mehr Mitarbeiter“ beschäftigt würden. Derzeit wirke sich die nicht zufriedenstellende Belegung auf die Liquidität aus. Die neuen Niels-H.-Verfahren wirkten als zusätzliche Belastung. Er habe bereits mit den Krankenkassen gesprochen, um mehr Informationen zu erhalten, warum manche Patienten Wettbewerber bevorzugen. In Gesprächen mit der Krankenhausplanung des Landes sei es auch um die Notaufnahme gegangen, die nicht ausreichend ausgestattet sei - ein Förderantrag für ein Großgerät sei gestellt.

Neubau kommt wie geplant

Delker hatte zuvor von einer notwendigen „wirtschaftlichen Sanierung“ des Hospitals gesprochen, vom Auffangen hoher Fehlbeträge, vom Ausnutzen von Synergien und von der richtigen Aufgabenzuteilung. Ein Vokabular, dass viele Ratspolitiker hellhörig werden ließ. Sie forderten den Geschäftsführer auf, in öffentlicher Sitzung im Beisein einiger JHD-Beschäftigten die Schieflage weitestgehend darzulegen. Danach gibt es im Kernbetrieb, der Krankenhaus GmbH, zwar keine Probleme, wohl aber strukturell bei den Töchtern. Delker bekräftigte, dass der 83-Millionen-Neubau am Standort Mitte wie geplant realisiert werde. Das werde ein „Vorzeige-Projekt“ unter begleitender Baufortschritt-Info der Öffentlichkeit. Abbruchbeginn am alten Stift soll im November dieses Jahres sein, Einweihung des Neubaus Ende 2021.

OB Jahnz: Keine Privatisierung

Während sich Oberbürgermeister Axel Jahnz auf die Frage nach einer möglichen Privatisierung des Hospitals eindeutig positionierte („Das Krankenhaus weggeben kommt überhaupt nicht in Frage!“), blieb Delker etwas unverbindlicher: „Ich glaube nicht. Ich denke darüber nicht nach. Mein Auftrag ist es zu ordnen und die unterschiedlichen Kulturen der beiden Häuser miteinander zu verbinden. Da ist der Weg noch nicht zu Ende. Das sind strukturelle Probleme, die auch Geld kosten“. Delker kündigte eine Mitarbeiter-Versammlung an, „sobald die Gremien einen Weg aufgezeigt haben“.