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Mann bestreitet Tötungsabsicht 52-jähriger Delmenhorster wegen Mordversuchs angeklagt

Von Ole Rosenbohm | 12.09.2017, 21:40 Uhr

Am Oldenburger Landgericht hat ein Prozess gegen einen 52-Jährigen begonnen, dem ein Mordversuch gegen den neuen Partner seiner Ex-Lebensgefährtin vorgeworfen wird. Der Angeklagte verletzte sein Opfer im Haus seiner ehemaligen Freundin in Delmenhorst lebensgefährlich. Allerdings bestreitet er die Absicht.

Am Landgericht Oldenburg läuft seit Dienstag der Prozess gegen einen Mann, der am 21. März versucht haben soll, den neuen Partner seiner Ex-Freundin zu töten. „Ich muss dich umbringen, ich will mein altes Leben zurück“, soll der 52-jährige Angeklagte gerufen haben, als er zustach. Das Küchenmesser drang unterhalb des Halses ein, wurde nur durch einen Knochen aufgehalten. Andernfalls hätte der Stich laut Anklage tödlich enden können. Zum Prozessauftakt sagte der Angeklagte umfassend aus. Die Tat als solche gab er zu, die Tötungsabsicht bestritt er. Auch verneinte er, dem Opfer mit dem Tode gedroht zu haben und einen weiteren Tötungsversuch mit einem Cuttermesser unternommen zu haben.

Streit um Hausrat zwischen Ex-Partnern

Hintergrund der Tat ist ein monatelanger Streit um die Verteilung des einst gemeinsamen Hausrats. Neun Jahre waren der 52-Jährige und seine Ex-Partnerin zusammen. Vor einem Jahr beendete er die Beziehung, verließ das gemeinsame Haus in Delmenhorst. Damit begann das Drama: Sie tauschte die Schlösser aus, er forderte einen Teil des Inventars. Ständig nagte an ihm das Gefühl, übervorteilt worden zu sein. Zudem glitt er ab, verlor zwei Jobs, hatte keine feste Wohnung, begann Drogen zu nehmen: Kokain, Speed, Marihuana.

Angeklagter vom neuen Lebensgefährten im Haus überrascht

„Ich habe ein Minimum bekommen, sie führt ein schönes Leben“, beschrieb der Angeklagte sein Empfinden, als er beschloss, „meinen Teil selber zu holen“. Er drang ins Haus ein, fand dort 6800 Euro, wo sie auch früher Barmittel aufbewahrten. Mitnehmen konnte er nichts, wenigstens aber etwas zerstören, sagte er sich, nahm Küchenmesser und Cuttermesser, begann einen Fernseher zu zerkratzen. Wenig später das Klicken an der Haustür – überraschend: „Ich dachte, ich hätte noch fünf, sechs Stunden Zeit“. Dann stand er vor dem neuen Partner seiner Ex, zog das Messer, wollte sich den Weg nach draußen freistechen.

Verletztes Opfer behält im Gerangel die Oberhand

Im Gerangel danach behielt das Opfer, obwohl verletzt, die Oberhand. Dennoch konnte sich der Angeklagte befreien, nun erschien das Cuttermesser auf der Bildfläche. „Es ist aus der Jacke gefallen“, beteuert der Angeklagte. Das im Prozess als Nebenkläger auftretende Opfer hat am ersten Prozesstag noch nicht ausgesagt. Der Angeklagte floh, musste aber seine Jacke mit Geld, Papieren und Autoschlüssel zurücklassen. Zweimal habe er versucht, sich umzubringen, sagte er. Schwer verletzt schleppte er sich doch zur Polizei und stellte sich. Ende des Monats wird der Prozess fortgesetzt, danach sind noch fünf weitere Termine angesetzt.