Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Markante Altbauten City-Center erntete anfangs viel Lob

12.06.2015, 20:13 Uhr

Städtebaulich einst ein Vorzeigeprojekt, steht das City-Center heute in der Kritik. Im Dezember 1972 wurde Richtfest gefeiert.

Als probates Mittel gegen die Verödung der Innenstadt konzipiert, wurde das City-Center in seiner Entstehungszeit mit viel Lob bedacht. Es entsprach baulich voll dem herrschenden Geist und Geschmack. Heutigen ästhetischen Ansprüchen und Kriterien kann es kaum noch gerecht werden. Ganz böse Zungen sprechen abwertend sogar von einer „Bausünde“. Die Erwartung einer Belebung des Stadtzentrums scheint das Großprojekt nur in beschränktem Umfang erfüllt zu haben.

Am Anfang der 70er Jahre trieb die Entscheidungsträger in unserer Stadt die Sorge um, man könne in städtebaulicher Hinsicht den Anschluss verlieren. Alle Städte setzten auf Hochhäuser und hier bei uns schätzte man den Bauboom als probates Mittel ein, um im schwierigen Wettbewerb mit den größeren Nachbarn Oldenburg und Bremen nicht ins Hintertreffen zu geraten und sich einen guten Platz zu sichern. Und so entstand in den Jahren 1972/73 mit dem 47 Meter hohen City-Center für eine Bausumme von 25 Millionen D-Mark das bis dahin größte Bauwerk im Stadtzentrum.

„Nur verdichtete Bebauung kann Verödung der Städte entgegenwirken“

Als am 6. Dezember 1972 Richtfest gefeiert wurde, erinnerte Oberbürgermeister Ernst Eckert in seiner Ansprache daran, dass am Platz der Baustelle vor einigen Jahrhunderten das Wildeshauser Tor den Eingang zur Stadt markiert habe. Nunmehr sei mit dem imposanten Objekt ein neuer Eingang zum Delmenhorster Einkaufszentrum geschaffen worden. Eckert verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass das Center Impulse zur wirtschaftlichen Entwicklung Delmenhorsts auslösen werde.

Geschäftsführer Düsedau von der Gesellschaft für Handel und Finanz, dem Bauherrn, wies bei seinen Ausführungen darauf hin, dass die Planung für das Hochhaus die Erkenntnis der Stadtplaner berücksichtige, „dass nur eine verdichtete Bebauung der Verödung der Städte entgegenwirken kann“. Als Konsequenz aus der Forderung, die Delmenhorster Innenstadt auch am Abend zu beleben, sei schließlich das Konzept der Kombination von Wohnungen, Büros und Verkaufsgeschäften entwickelt worden.

Auch zwei Obergschosse als Konsumtempel vorgesehen

In wenigen Monaten wuchs ein 15-geschossiges Gebäude in die Höhe, das 4000 Quadratmeter an gewerblichen Nutzflächen bot, darunter eine zwölfbahnige Bowling-Anlage im Kellergeschoss. Mit einer Fläche von 5255 Quadratmetern entstanden 130 Wohnappartements.

Das Erdgeschoss umfasste Innenhöfe und Passagen, die ebenfalls als Konsumtempel vorgesehenen Obergeschosse eins und zwei erhielten über Fußgängerbrücken Verbindungen zum Parkhaus am Hans-Böckler-Platz und zum benachbarten Kaufpark. Der gesamte Baukörper liegt auf einer Betonsohle auf, die das Flussbett der Delme überbrückt.

In der Zeit seines Bestehens haben mehrfach die Eigentümer des City-Centers gewechselt, auch bei den Bewohnern und Mietern der Läden war beständige Fluktuation die Regel. Immer wieder führten Umbauten und Modifikationen zu Veränderungen bei der Nutzung von Flächen und der Optik des Gebäudes, bei dem die Stadtverwaltung nun als Hauptmieter fungiert.