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Maxe-Seminarreise nach Polen Delmenhorster Schüler nach Auschwitz gereist

Von Merlin Hinkelmann | 21.12.2016, 09:29 Uhr

Das Grauen hat einen Namen: Auschwitz. Zehn Schüler des Max-Planck-Gymnasiums haben die Gedenkstätte in Polen im Rahmen einer Seminarreise besucht. Eine Woche mit bisweilen emotionalen Momenten.

Wie war es in Auschwitz? Diese Frage hört Melissa Quade in letzter Zeit häufiger. Was sie darauf antworten soll, das weiß die 16-Jährige nie so recht. Zu frisch, zu intensiv sind die Erinnerungen, an den Ort, an den sie vor zwei Wochen gereist ist. Der zum Symbol geworden ist für den Holocaust und für unendliches Leid. Wo sich Trauer und Erinnerungskultur begegnen.

Auswärtiges Amt unterstützt das Projekt

Zehn Schüler des elften Jahrgangs vom Max-Planck-Gymnasium haben Anfang des Monats an einer einwöchigen Seminarreise nach Polen teilgenommen – organisiert von der Austauschorganisation Youth for Unterstanding (YFU), finanziell gefördert vom Auswärtigen Amt. Die Jugendlichen aus Delmenhorst fuhren nicht allein: Begleitet wurden sie von zehn YFU-Austauschschülern aus der ganzen Welt. Auf dem Programm standen Führungen durch die Gedenkstätten in Auschwitz, Zeitzeugen-Gespräche sowie ein Besuch in Krakau.

Kursfahrt war „voller Erfolg“

„Der Holocaust ist ein Thema, das allgegenwärtig im Geschichtsunterricht ist“, sagt Jann Krüger, der selbst ehemaliger YFU-Austauschschüler ist und ebenfalls bei der Reise dabei war. „Aber es ist noch einmal eine ganz andere Erfahrung, die Geschichte über die Gräueltaten der Nazis live vor Ort zu erfahren.“ Dem schließt sich seine Kollegin und Geschichtslehrerin Christine Hausen-Kroll an. Auch sie bewertet die Kursfahrt als vollen Erfolg: „Meine Schüler haben inzwischen deutlich weniger Distanz zum Thema, ihr Verständnis für den historischen Kontext hat eine ganz neue Qualität gewonnen.“

Kunstausstellung besucht

Doch was macht es mit jungen Menschen, wenn sie dorthin reisen, wo Hundertausende den Tod fanden? „Auschwitz war immer ein abstrakter Ort für mich. Jetzt ist er ganz real. Ich habe mir vorgestellt, wie schlimm das Leben für die Menschen damals sein musste“, berichtet Schülerin Justyna Daniel (16). Besonders eines ist ihr im Gedächtnis geblieben: die Kunstausstellung mit dem Namen „Gedächtnis-Platten“. Sie besteht aus Zeichnungen eines ehemaligen Häftlings, der die eigene Deportation zum Gegenstand seiner Bildern gemacht hat. „Wir befanden uns praktisch in einem riesigen Kunstwerk, ziemlich beeindruckend“, erzählt ihre Mitschülerin Melissa Quade.

Emotionales Gespräch mit Zeitzeugen

Die beiden haben auf der Reise viele junge Leute getroffen – Gleichgesinnte aus Mexiko, Costa Rica, Südkorea, Finnland, Südafrika, von überall her. „Diese Schüler haben eine andere Perspektive, einen anderen Zugang zum Nationalsozialismus als wir Europäer. Das macht es sehr spannend“, findet Lehrer Jann Krüger. Seine Schüler haben nicht nur das Stammlager und das Vernichtungslager Birkenau besucht, sondern haben sich auch mit einem Zeitzeugen, einem polnischen Widerstandskämpfer und ehemaligem Häftling, unterhalten. „Wer den Holocaust ganz stumpf und faktenmäßig abarbeitet, versteht nur das Unvorstellbare nur schwer.“ Deshalb das Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Wie begrüßt man so jemanden? Wie verhält man sich? „Es lag so eine eigenartige Spannung in der Luft“, erinnert sich Krüger. Ein Schüler habe den Zeitzeugen gefragt, wie seine KZ-Nummer laute. „Da war ich echt erschrocken.“