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Mechthild Karkow und ihre Barockviolinen Solo-Geigenkonzert in Delmenhorster Turbinenhalle

Von Mareike Bader | 29.09.2017, 17:27 Uhr

Feine barocke Töne in Mitten alter Maschinen: Geigerin Mechthild Karkow gastierte zum zweiten Mal in der Turbinenhalle im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur.

Es war ein Abend der feinen barocken Töne – mit Nachdruck. Dafür sorgte der Hall der hohen Turbinenhalle im Nordwestdeutschen Museum für Industriekultur. „Das ist einer meiner Lieblingskonzertorte“, sagte Mechthild Karkow während des Konzerts.

Schon bei ihrem ersten Konzert in Delmenhorst sei sie vom spannenden Kontrast in Mitten der alten Maschinen fasziniert gewesen, erzählt sie im Gespräch. Den starken Hall in der Turbinenhalle, verglich sie mit dem in Kirchen. Barockmusik eigne sich für den Raum besonders gut, sagte die Professorin für Barockvioline an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig.

Solokonzert mit Barockvioline

Wie vor zwei Jahren spielte Karkow wieder ein kleines Konzert, gut 30 Besucher waren gekommen. Doch dieses Mal stand die Geigerin ganz allein auf der Bühne. Zwei Barockviolinen und vier verschiedene Bögen hatte sie mitgebracht. Locker, dabei unterhaltsam und informativ zugleich, moderierte sie durch ihr Programm. Erklärte etwa, dass die hellere, frühbarocke Geige größer gebaut sei und alle vier Darmsaiten dieselbe Spannung hätten – im Gegensatz zu heutigen Instrumenten.

Die Geige ist eigentlich ein Melodieinstrument. Doch mit Doppelgriffen und Stimmläufen, die angedeutet eingeflochten waren, erstaunte Karkow mit Vielseitigkeit und Vielstimmigkeit. Umrahmt war das Programm mit Werken vom Großmeister Johann Sebastian Bach, der Sonate in a-Moll und der Partita in d-Moll. „Er war mit Sicherheit ein virtuoser Geiger“, stellte Karkow fest.

Von Johann Joseph Vilsmayr spielte sie die 1715 komponierte Partita V aus dessen einzig erhaltenen Kompositionssammlung. In den sieben kurzen Sätzen folgte ein Charakterwechsel auf den nächsten. Ernste, tiefe Töne trafen auf helle, leichte Figuren. Karkow setzte durch mal schnelleres und lauteres Spielen nuancierte Akzente.

Einmal Queerbeet durch das Repertoire

Nach der Pause war es dann kurzzeitig vorbei mit dem Zug durch die Musikgeschichte. Sie spielte eine Ciaconna, die Helena Winkelmann für Karkows ehemalige Barockgeigenlehrerin komponiert hatte. Das Werk wurde von Karkow bei ihrem Masterkonzert selbst uraufgeführt. Auch hier folgte in raschem Wechsel verschiedene Techniken und Charaktere – quasi einmal Queerbeet durch das Repertoire eines Geigers.

Nach den ganzen Werken in Moll, gab es nach dem zweistündigen Programm eine Zugabe in Dur: Die eingängige Gavotte aus Bachs Partita in E-Dur. Das Publikum bedankte sich mit herzlichem Applaus für das lehrreiche und unterhaltsame Konzert.