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Mehr als ein Amy-Winehouse-Double Delmenhorster Soul-Diva Esther Filly erhält Auszeichnung

Von Marco Julius | 04.10.2018, 19:45 Uhr

Sie bezeichnet sich selbst als „Freaky“: Die Sängerin und Songwriterin Esther Filly geht ihren Weg eigenständig und geradeaus. Ihre Liebe zum Soul ist immer auch von einer Botschaft getragen.

Wenn das Wort Energiebündel jemals auf eine Person passen sollte, dann auf Esther Filly, die Soulsängerin mit der starken Stimme, die seit Juni 2017 in Delmenhorst ihr Zuhause hat – „und das sehr sehr gern“. Das Wort Energiebündel scheint wie für sie erfunden. Und das spricht sich immer mehr herum. So erhält die 52-Jährige am 19. Oktober in Filderstadt die Auszeichnung „Künstler des Jahres 2018“. „Wahnsinn, oder?“, sagt Esther Filly. Ausgezeichnet wird sie vom gedu-Verlag in der Kategorie Soul und zusätzlich als bestes „Amy Winhouse Double National“.

Liebe zu Amy Winehouse

In eine Schublade stecken lässt sich Esther Filly aber nicht. „Wenn überhaupt, dann bin ich ein Schrank mit ganz vielen Schubladen“, sagt sie und lacht ihr ansteckendes Lachen. Mitte der 90er Jahre hat sie angefangen, professionell Musik zu machen. In Top-40-Bands, in Showbands. „Da ist auch die Idee entstanden, meine Liebe zu Amy Winehouse zu zeigen“, sagt Esther Filly. Anfangs musste sie dafür kämpfen. Winehouse stand noch am Beginn ihrer Weltkarriere, einige hielten sie für eine Eintagsfliege. „Ich habe mich durchgesetzt, denn die Rolle ist mir auf den Leib geschrieben.“ Sie liefere als Amy keine Imitation. „Es geht mir darum, den Spirit dieser großartigen Sängerin zu erhalten, es ist mein Tribut an Amy“, betont Esther Filly, die mit ihrer Stimme dem großen Vorbild ganz nah kommt und dennoch ihre eigene Note in die Songs einbringt. „Ich bin die drogenfreie Version von Amy“, sagt sie und lacht.

Vorbilder hat Esther Filly viele: „Die Motown-Ära prägt mich bis heute. Ich liebe Mavis Staples, James Brown und Etta James.“ Das soll man auch hören, wenn im Jahr 2019 ein neues Album erscheint. Songs schreibt sie übrigens meist gemeinsam mit ihrem Ehemann Marius Fabritius, ein ausgebildeter Pianist.

Ein bisschen „Freaky“

Eine Plattenfirma hat die Wahl-Delmenhorsterin derzeit nicht, was auch daran liegt, dass sie sich nicht in Schubladen stecken lassen will. Sie ist eben ein bisschen „Freaky“, so steht es auf ihrer Hand, so heißt einer ihrer Songs, der viel über die Sängerin und Songschreiberin aussagt. Der Anteil ihrer eigenen Songs bei Auftritten vergrößert sich von Jahr zu Jahr, das ist ihr wichtig.

In diesem Herbst steht sie allerdings wieder an mehreren Abenden als Amy auf der Bühne – in der großen Imitatoren-Weihnachtsfeier-Show auf der Horner Rennbahn in Hamburg. Aber Esther Filly hat auch schon ganz andere Bühnen bespielt. Immer wieder ist sie vor Bundeswehrsoldaten in Kriegsgebieten aufgetreten, in Afghanistan, im Irak, im Kosovo, in Mali. „Das waren besondere Erfahrungen, das habe ich gern gemacht“, sagt sie. Die Gespräche vor und nach den Auftritten, die seien ihr wichtig gewesen. Auch dort, in Krisengebieten, war es ihre Botschaft, die sie rüberbringen wollte: Fröhlich bleiben, den Mut behalten, „das gilt auch dann, wenn die Welt um einen herum abdriftet“.

Delfintherapie im Curaçao Dolplhin Therapy Center

Ihr Herz hat Esther Filly erst gerade wieder bewiesen. Sie hat Spenden gesammelt, um einem kleinen autistischen Jungen eine Delfintherapie im Curaçao Dolphin Therapy Center zu ermöglichen. Mit der Mutter, die sie als Schneiderin ihrer Bühnenkostüme kennengelernt hat, verbindet sie eine Freundschaft. Esther Filly ist mitgereist, um auf Curaçao dabei zu sein. „Es war wunderbar, zu sehen, wie sich der Junge vom ersten Tag an gewandelt hat, wie er präsent war.“ Bei dieser schönen Erinnerung wird auch das Energiebündel kurz ganz still.