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Mehrarbeit im Delmenhorster Rathaus Doppelt so viele Alleinerziehende erhalten Unterhalt

Von Sonia Voigt | 23.03.2017, 12:28 Uhr

Bei 750 Alleinerziehenden in Delmenhorst springt der Staat bisher ein, weil der unterhaltspflichtige Elternteil nicht zahlt. Ab Juli rechnet der zuständige Fachdienst mit mindestens doppelt so vielen Anspruchsberechtigten. Doch noch ist einiges unklar.

Wie sie die Existenz ihrer Kinder sichern sollen, bereitet vielen Alleinerziehenden die größten Sorgen. Um ihre Situation zu verbessern, haben sich Bund, Länder und Kommunen nach langem Ringen geeinigt, ab Juli den sogenannten Unterhaltsvorschuss auszuweiten. Diese staatliche Leistung für Kinder Alleinerziehender, die keinen Unterhalt vom anderen Elternteil bekommen, ist künftig nicht mehr auf sechs Jahre begrenzt. Sie kann nun unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 18. Geburtstag des Kindes bezogen werden. Eine Umstellung, die auch in Delmenhorst hunderte Familien betrifft und der Stadtverwaltung einiges abverlangen wird.

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Neuer Anspruch für über 500 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren

Derzeit betreut ein fünfköpfiges Team des Fachdienstes Beistandschaften und Unterhaltsvorschuss in Delmenhorst 750 Alleinerziehende. Durch die Neuregelung rechnet Fachdienstleiter Thomas Lauts zumindest mit einer Verdoppelung der Fallzahlen. „Bereits jetzt kann durch einen Archivabgleich festgestellt werden, dass noch rund 550 Kinder unter zwölf Jahren einen Anspruch hätten, die in der Vergangenheit Unterhaltsvorschussleistungen bezogen haben“, erklärt Lauts. Falls sie nicht inzwischen weggezogen oder anderweitig versorgt sind, bekommen sie ab Juli wieder Geld.

Zahl der Zwölf- bis 18-Jährigen mit Anspruch noch unklar

Schwerer zu sagen ist, wie viele ältere Kinder zwischen zwölf und 18 Jahren ab Juli neu den Unterhaltsvorschuss beziehen können. Sie bekommen die Leistung nur dann, wenn sie gar nicht auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind oder der alleinerziehende Elternteil zum Hartz-IV-Bezug mindestens 600 Euro brutto dazuverdient. Fachdienstleiter Lauts geht nach ersten Berechnungen von rund 100 Kindern aus, die künftig durch den Unterhaltsvorschuss den Hartz-IV-Bezug vermeiden können oder deren Elternteil mindestens 600 Euro brutto verdient. Wie groß die Zahl der Alleinerziehenden ist, die bisher ganz ohne Sozialhilfe und Unterhalt auskommen, sei aber derzeit nicht genau feststellbar.

Zweieinhalb zusätzliche Stellen vorgesehen

Damit er es schafft, mindestens doppelt so viele Alleinerziehende zu betreuen, sind für den zuständigen Fachdienst im Stellenplan 2017 zweieinhalb zusätzliche Stellen vorgesehen. Doch noch ist es schwer, die Mehrarbeit richtig einzuschätzen. Denn es ist noch nicht entschieden, ob die Verwaltung künftig –wie bisher – in allen Fällen versuchen muss, sich das per Unterhaltsvorschuss gezahlte Geld vom unterhaltspflichtigen Elternteil wiederzuholen. Geplant ist, dass dies ab Juli entfällt, „wenn offensichtlich ist, dass der Kindesvater nicht leistungsfähig ist (SGB II-Bezug)“. Das würde den Sachbearbeitern die Arbeit erheblich erleichtern.