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„Mein demokratisches Recht“ Wie eine Delmenhorster Jungwählerin der Wahl entgegensieht

Von Pia Sophie Laukart, Pia Sophie Laukart | 17.08.2017, 19:10 Uhr

Pia Sophie Laukart ist 18 Jahre alt und darf in diesem Jahr zum ersten Mal an einer Bundestagswahl teilnehmen. Für das dk schreibt sie nieder, was eine junge Erwachsene vor der Wahl beschäftigt.

Abitur in der Tasche und Studium in Aussicht – langsam sollte man Verantwortung übernehmen. An seine Zukunft denken. Wählen gehen.

Für einige meiner Altersgenossen ein Thema, das Desinteresse hervorruft. Für mich eine Selbstverständlichkeit. Immerhin starten wir in einen neuen Lebensabschnitt. Auch wenn es lediglich zwei kleine Kreuze sind, so sind es doch zwei Kreuze, die die Rahmenbedingungen unseres weiteren Lebens setzen können.

„Viele Themen sagen mir nicht viel“

Nichtsdestotrotz ist Wählen kein Zuckerschlecken. Besonders als Neuling auf dem Terrain, wenn man in den vergangenen Jahren nur halbherzig bei der Bekanntgabe der Wahlergebnisse gelauscht hat, weil der Politikunterricht einen anödete und man deswegen nicht so genau weiß, was gerade vor sich geht. Sich genauestens über die Wahlprogramme allein der in Niedersachsen antretenden 18 Parteien zu informieren, ist zeitaufwendig und komplex. Es werden so einige Themen in den Raum geworfen, die einem mit 18 Jahren noch nicht viel sagen. Diese zeitliche Investition ist es trotzdem wert. Alternativ hilft man sich mit Zusammenfassungen weiter.

Bildung ist für Jungwähler topaktuell

Zu „der einen Partei“ bekennen kann ich mich trotzdem nicht. Momentan ist es eher ein Prozess des Aussortierens und ein Ausloten dessen, ob ein bestimmter Kandidat nur gut schwafeln kann oder tatsächlich Kompetenz mitbringt.

Obendrein liegt mein Fokus auf denjenigen, die dort etwas bewegen wollen, wo es mich etwas angeht. Bildung beispielsweise ist besonders für Jungwähler topaktuell. Gerade die Studienwahl hat mir gezeigt, dass es noch einiges zu beheben gibt, um diese sogenannte „Chancengleichheit“ zu erreichen, von der gerne in den höchsten Tönen geprahlt wird.

Für mich persönlich stellt dies sogar den schwerwiegendsten Grund dar, mein demokratisches Recht in Anspruch zu nehmen, was ich gerne schon vorher gedurft hätte. Denn bloß weil ich noch nicht volljährig war, endete der Wirkungsbereich bundesweiter Entscheidungen ja nicht vor meiner Zimmertür.

Jetzt die Zukunft mitentscheiden

Als bedeutsam empfinde ich auch soziale und gesellschaftliche Themen. Ältere Generationen mögen es als alberne „Phase“ abstempeln, doch Gleichberechtigung auf allen Ebenen, nicht nur von Mann und Frau, Abwendung von Diskriminierung jeglicher Art, sowie Umwelt- und Tierschutz stehen nicht nur bei mir ganz oben auf der Prioritätenliste. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem ich mit minimalem Aufwand vielleicht dafür sorgen kann, dass ich die Abläufe in Deutschland irgendwann größtenteils befürworte. Also ja, ich gehe wählen.

 Pia Sophie Laukart absolviert derzeit ein Redaktionspraktikum beim Delmenhorster Kreisblatt. Die 18-jährige Abiturientin des Max-Planck-Gymnasiums durfte bei der Kommunalwahl 2016 zum ersten Mal an die Wahlurne treten.