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Menjou-Bärtchen und viel Esprit Entertainer Robert Kreis begeistert in Delmenhorst

Von Marco Julius | 27.03.2017, 13:13 Uhr

„Rosige Zeiten“ heißt das Programm des niederländischen Entertainers. Es stellt noch einmal die Begeisterung für die Unterhaltungskunst der Weimarer Republik ins Zentrum.

Man mag am Ende des vergnüglichen Abends etwas unsicher sein, ob Robert Kreis mit seinem Programm „Rosige Zeiten“ aus der Zeit gefallen ist oder – ganz im Gegenteil – so aktuell wie lange nicht. Doch diese Spitzfindigkeiten verblassen hinter dem Witz, dem Esprit, dem Schwung, mit dem der in Indonesien geboren Niederländer sein Publikum im gut gefüllten Kleinen Haus am Ende zu lang anhaltendem Applaus im Stehen hinreißt.

Weit über 30 Jahre in Deutschland auf der Bühne

Kreis – hingetupftes Menjou-Bärtchen, Pomade im Haar, Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle – feiert mit „Rosige Zeiten“ (noch immer) sein Bühnenjubiläum. Über 30 Jahre steht er mittlerweile in Deutschland auf der Bühne und hält so Perlen der Unterhaltungsbranche am Leben, die von 1918 bis 1933 in der Weimarer Republik und vor allem in Berlin ersonnen wurden. Kabarett-Couplets, Schlager, Anekdoten und Humoresken von oft jüdischen Autoren, die bald, als die Nazis nicht nur der Kultur den Garaus machten, verschwanden.

Bald „34 in Euro“

Kreis, der gut gealterte Kabarettist, Sänger, Pianist und Unterhalter, mittlerweile bald „34 in Euro“, bringt mit doppeldeutigen, frivolen, aber auch politischen Texten und Wortspielen sein Publikum immer wieder zum Lachen. Über 7500 Vorstellungen hat er, der Ende der siebziger Jahre nach Deutschland kam, hier zu einem Bühnenstar wurde und das Interesse an den „Goldenen Zwanzigern“ mit entfachte, nach eigener Auskunft bereits gegeben. Ermüdungserscheinungen? Fehlanzeige.

Profi und Gentleman

Bei Kreis sitzen jedes Wort, jeder Ton, jeder Blick, jede Geste, jede Grimasse. Ein Profi, der zeigt, dass Kleinkunst große Kunst sein kann. Temporeich vermischt er Anekdoten aus seiner Biografie mit kostbaren kleinen Perlen, die er, der Sammler aus Leidenschaft, aus der Weimarer Republik geborgen hat. Am „Geflügel“ greift er in die schwarz-weiße „Elfenbeinküste“ und entlockt dem Publikum kieksende Lacher, etwa beim „Lachfoxtrott“ von 1926. Der Titel des Abends, „Rosige Zeiten“, ist natürlich ironisch gemeint. Kreis weiß, dass in Weimar nicht alles rosig war. Er zieht Verbindungen. Ist nicht vieles von damals noch immer aktuell? Schuldenkrise, die Kluft zwischen Arm und Reich, die Flüchtlingsbewegungen? Ganz still wird es im Saal, wenn Kreis „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ anstimmt und so die nie vergehende Sehnsucht der Menschen nach Frieden und Glück besingt. Wenn Kreis singt und scherzt, ist die Welt ein kleines bisschen besser.