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Mevlana-Gemeinde im Delmenhorst Mit Suppe im Bauch gegen Vorurteile

Von Kai Hasse | 03.02.2019, 18:58 Uhr

Die Mevlana-Gemeinde will reden: Mitglieder der muslimischen Glaubensgemeinschaft aus Düsternort haben nun in der Delmenhorster Innenstadt einen Stand aufgebaut, um Vorurteile abzubauen. Sie wollten „durch die Suppe ins Gespräch“ kommen – und wollen die Aktion noch zwei Wochen lang fortsetzen.

Dass Deutsche gern mal „durch die Blume“ reden – was eigentlich auch eine schonende Kritik meint – hat die Mevlana-Gemeinde dafür etwas adaptiert, wie Pressesprecher Ahmet Arslan erzählt. Er steht am Freitagnachmittag mit der Kelle am Topf und teilt aus. „Durch die Suppe“ wird geredet – heißt: Der Becker warme Linsensuppe mit pikanter orientalischer Note soll dafür dienen, dass Muslime und Nicht-Muslime aufeinander zugehen und sich austauschen über sich und etwaige Vorurteile.

Suppe wird gern angenommen

Bei dem Termin lassen die Besucher nicht auf sich warten. Unter den Ankömmlingen ist beispielsweise eine Gruppe Jugendlicher – einer mit türkischen Wurzeln, der seine Kumpel animiert, zu kosten. In der Clique gebe es mehrere Jugendliche muslimischen Glaubens, aber Vorurteile gebe es nicht, meint einer. „Alles normal, keine Probleme.“ Oder die Französin Audrey Soica, die erst seit Kurzem in Delmenhorst lebt, und angesprochen wurde. Sie meint, dass man meist leider oft nur Negatives über Muslime höre, ohne dass die positiven Seiten der islamischen Gemeinden dargestellt würden.

Freundliches und unaufdringliches Angebot

Die Mitglieder auf der Straße kümmern sich freundlich um ihre Kunden – einem Mann im Rollstuhl und mit gelähmten Armen wird der Becher mit Suppe geduldig mit einem Strohhalm hingehalten. Die Mitglieder der Gemeinde geben Nachschlag, es gibt Brot. Ahmet Arslan informiert über die Angebote der Gemeinde. Die meisten Gäste sind Frauen – er preist die offene Frauen-Gesprächsrunde jeden Freitag um 17 Uhr an. Das Gespräch mit den Besuchern an der Ecke Lange Straße/Bahnhofstraße läuft. In den vergangenen Jahren wurde die Suppen-Aktion beim Bahnhof gemacht. „Dort sind die Menschen in Bewegung un haben wenig Zeit. Hier haben sie mehr Ruhe“, sagt Arslan. Das merken die Mevlana-Mitglieder – die Menschen reden gern. Anika Eick aus Delmenhorst etwa berichtet: Sie habe sich erst kürzlich mit einem AfD-Anhänger ausgetauscht, der alles, was aus dem Ausland stamme, ablehne. Sie plädiert am Stand gegen einen anderen Kurs: „Wir müssen das Ziel haben, dass Faschismus und Hass zwischen den Religionen aufhört. Wir müssen den anderen zuhören, auch wenn sie anderen Religionen angehören, und sie respektieren.“

Zwei weitere Aktionen geplant

Die Mevlana-Gemeinde wird auch am Freitag, 8. Februar auf einen Becher Suppe in der Innenstadt einladen: Dann werden Frauen der Gemeinde zum Gespräch dabei sein. Am 15. Februar sind dann die Jugendlichen der Gemeinde dran. Jeweils zwischen 15 und 17 Uhr kommt man „durch die Suppe ins Gespräch“.