Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Michael Müller im Kleinen Haus Weihnachtslesungen haben Tradition in Delmenhorst

Von Marco Julius | 27.11.2016, 13:23 Uhr

Seit 26 Jahren verkürzt Michael Müller mit Märchenlesungen in Delmenhorst die Zeit bis zum Heiligabend. Die Kinder danken es ihm.

Wer sagt eigentlich, dass sich Kinder nur noch von elektronischen Spielzeugen begeistern lassen? Dass es immer blinken, explodieren oder tuten muss? Dass es einen Bildschirm braucht? Wer sagt eigentlich, dass das gute Buch ausstirbt? Wer dieser Meinung ist, der sollte sich eine der Weihnachtsmärchenlesungen von Micheal Müller im Foyer des Kleinen Hauses anschauen.

Ohne Strom, ohne Computer

Seit 26 Jahren schon liest der heutige Leiter der städtischen Musikschule dort für Kinder ab vier Jahren und ihre Eltern oder Großeltern Märchen vor. Und die Kleinen, am Sonntagvormittag auf Matratzen sitzend oder liegend, am Kakao zutzelnd, hören gebannt zu, wenn Müller pointiert ins Werk der Gebrüder Grimm einsteigt. Dafür braucht er keinen Strom, kein Gadget, keinen Computer. Das dicke Buch mit Grimms Märchen, einen Platz zum Sitzen – und schon geht es los. „Heute ist ein Vater mit seinem Kind hier, der selbst als kleiner Junge schon zu den Lesungen gekommen ist. Das zeigt mir, dass ich älter werde“, sagt Müller schmunzelnd.

Der Unterschied zwischen Krippe und Krippe

Im Gespräch mit den Kindern, etwa bei der Einleitung des Märchens Marienkind, tut Kindermund so manche Wahrheit kund. „Wisst Ihr, wo Jesus geboren wurde?“, fragt Müller. „In einer Krippe“, kommt prompt die Antwort. „Und was ist eine Krippe?“, fragt der Vorleser zurück. Die Kinder wissen es natürlich: „Ein Kindergarten!“ Und auch die Frage nach den Eltern Jesu haben die Kinder parat. „Maria und Josef“, rufen sie. „Stimmt zur Hälfte“, sagt Müller lachend.

Die Kinder jedenfalls hängen an seinen Lippen. Und auch die Erwachsenen merken, dass es mal wieder an der Zeit sein könnte, in Grimms Märchen nachzuschlagen. „Sechse kommen durch die ganze Welt“ fällt vielen nicht gleich ein, wenn es um berühmte Märchen geht.

Weitere Termine folgen

Die Kinder sind nach den ersten Märchen nicht müde. Sie fordern früh, Müller möge das ganze Buch vorlesen. Doch da haben die Gebrüder Grimm zu fleißig gesammelt. Aber wer noch Lust hat: Die nächsten Möglichkeiten, Müllers Märchenlesungen bei freiem Eintritt zu lauschen, bestehen an den kommenden Adventssonntagen 4., 11. und 18. Dezember, jeweils um 11 Uhr, sowie am Heiligabend um 15.30 Uhr. Den größten Andrang gibt es dabei schon traditionell am dritten Adventssonntag.