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Michael Müller und Adrian Rusnak Großer Erfolg für Kabarett-Chanson-Abend in Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg | 29.02.2016, 15:59 Uhr

„Gelsenkirchen“, „Der General“ - aber auch „Eine Einsamkeit“: Michael Müller präsentierte mit Adrian Rusnak dem Delmenhorster Publikum am Sonntagabend den bösen wie den poetischen Georg Kreisler.

Den Charme der leisen, im jiddisch-wienerischen Dialekt vorgetragen Ironie kennt das Delmenhorster Publikum spätestens seit vorigem Jahr aus persönlicher Anschauung und vor allem Anhörung, seit nämlich die Musikschule Jerry Bocks Musical „Anatevka“ im Kleinen Haus aufführte. Musikschulleiter Michael Müller stattete damals den armen Milchmann Tevje, die Hauptfigur des Stücks, mit dem legendären Schalk des Braven Soldaten Schwejk aus, etwa so, wie das breite Publikum die Romanfigur Jaroslav Hašeks durch den großen Charakterdarsteller Fritz Muliar kennt.

Der garstige Kreisler

Für sein Musikkabarett-Programm „Vergiftete Tauben und zersägte Damen“, das zum Großteil aus Chansons Georg Kreislers bestand, bediente sich Müller im ausverkauften Foyer des Kleinen Hauses nun neuerlich – mal mehr, mal weniger – des jiddisch-wienerischen Dialekts, dieses Mal allerdings nicht so sehr im Sinne des doch eher harmlosen Schwejk als des garstigen Kreisler.

Ausflüge zu Hollaender und Neumann

Müller, der den großen Sänger, Dichter und Kabarettisten aus Wien in den achtziger Jahren noch live erlebt hatte, mühte sich in „Vergiftete Tauben und zersägte Damen“, dem Publikum auch Seiten Kreislers nahezubringen, die ein wenig in Vergessenheit zu geraten drohen – etwa die hochpoetische. Hierzu sang er Lieder wie „Eine Einsamkeit“ oder „Barbara“, eingerahmt in solch bitterböse Klassiker Kreislers wie „Taubenvergiften“, „Der General“ oder „Gelsenkirchen“. Um die Bandbreite noch ein wenig zu erweitern, gab Müller – vorzüglich am Klavier begleitet durch Adrian Rusnak – zudem Songs wie „Die zersägte Dame“ von Friedrich Hollaender oder auch Günter Neumanns „Ein Neandertaler“ zum besten.

Wiederholung im April

Gekonnt wechselte Müller von der dramatischen Schwere in die spitzbübische Leichtigkeit, vom aufbrausenden „Schmettern“ über eindringlichen Sprechgesang in dezenten Flüsterton: ein nicht nur technisch, sondern auch intellektuell sehr ansprechender Vortag, dem über 100 Zuhörer sichtlich gebannt folgten.

Michael Müller und Adrian Rusnak wollen das Programm „Vergiftete Tauben und zersägte Damen“ am Mittwoch, 13. April, noch einmal im Kleinen Haus aufführen.