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Milchtankstelle eröffnet Bei Varreler Bauer kommt Rohmilch aus dem Automaten

Von Dirk Hamm | 04.04.2015, 19:49 Uhr

Mit einer Milchtankstelle am eigenen Hof steigt der Varreler André Mahlstedt in die Direktvermarktung ein. Zum Preis von einem Euro kann ein Liter Rohmilch aus dem Automat gezapft werden.

An der Grünen Straße in Varrel ist am Donnerstag eine neue Tankstelle eröffnet worden. Doch für den Autotank ist die Flüssigkeit, die aus dem Zapfautomaten fließt, nicht gedacht: André Mahlstedt betreibt Stuhrs erste Milchtankstelle.

Eine Idee, die am Eröffnungstag auf große Resonanz stieß: Zahlreich kamen Besucher zum Hof Mahlstedt und probierten das neue Angebot aus. Es geht ganz einfach: Erst wird eine Münze eingeworfen, dann die Klappe geöffnet und der Behälter schräg unter das Abfüllröhrchen gehalten. Auf Knopfdruck fließt dann die frische Milch aus dem 150-Litertank in die Flasche. Ein Liter kostet ein Euro, die gewünschte Menge lässt sich leicht mit Knopfdruck kontrollieren. Auch die Rückgabe des Wechselgelds funktioniert problemlos.

Frische Rohmilch direkt vom Bauern, das weckt Erinnerungen bei Reinhard Loth, der sich gestern einen Liter Milch aus dem Automaten zapfte: „Ich bin Jahrgang 1946, als Kind bin ich mit der Milchkanne losgezogen, wenn der Milchmann mit dem Laster kam.“ Und nach einem Schluck direkt an Ort und Stelle bescheinigt Loth dem Produkt einen „guten Geschmack, anders als die Milch aus der Pappe“.

Milchtankstelle kann rund um die Uhr genutzt werden

120 Kühe werden im Milchviehbetrieb der Familie Mahlstedt gehalten, zweimal am Tag werden sie gemolken. 3500 Liter pro Tag liefert der Betrieb an die Molkerei. Mit der Eröffnung der Milchtankstelle fließen 150 Liter in den Tank des Automaten. Die Rohmilch wird dazu lediglich auf etwa fünf Grad gekühlt, außerdem wird sie ständig durchgerührt. Zwei bis drei Tage, so André Mahlstedt, kann die frische Milch zu Hause ohne Bedenken aufbewahrt werden. Die Milchtankstelle kann rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, genutzt werden. Von 7 bis 19 Uhr ist zudem die dazu gehörende Holzhütte geöffnet, in der Glasflaschen für drei Euro und PET-Flaschen für 0,50 Euro erworben werden können und außerdem Eier und Kartoffeln von Anbietern aus der Region.

Der Betreiber der Milchtankstelle möchte mit dem neuen Angebot einen zusätzlichen Betriebszweig eröffnen, der allerdings nicht mehr als eine Nische besetze. Auch der Stuhrer Landwirt Lars Nordbruch, der als Vorsitzender des Landvolks Mittelweser ein Grußwort zur Eröffnung der Milchtankstelle sprach, ist der Ansicht, dass diese Geschäftsidee „ein Nischenprodukt bleiben“ werde.

Erleichtert wurde die Einrichtung der Zapfstelle durch den Wegfall der Milchquotenregelung der EU vor drei Tagen. „Noch ein Tag vorher wäre das ein Bürokratiemonster gewesen“, sagte Nordbruch. Eine Einschränkung gibt es jedoch: Die Milchausgabe darf nur dort erfolgen, wo das Produkt erzeugt wird. Eine denkbare Errichtung einer Kette von Tankstellen ist für André Mahlstedt somit keine Option.