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Millionenprojekt in der Graft: Bündnis fordert neues Wasserwerk für Delmenhorst

Von Michael Korn | 01.05.2016, 16:07 Uhr

Das Delmenhorster Aktionsbündnis „Rettet die Graft“ hat seine Forderung nach dem Bau eines neuen, millionenteuren Wasserwerks in den Graftanlagen erneuert. Dieses soll dauerhaft Grundwasserschäden in dem Stadtpark und den umliegenden Häusern verhindern. Kostenzweifel in einem dk-Kommentar weist das Bündnis zurück.

In der Kontroverse um die Wiederaufnahme der Trinkwasserförderung in den Graftanlagen hat das Aktionsbündnis „Rettet die Graft“ erneut den zügigen Bau eines neuen Wasserwerks gefordert. In Reaktion auf einen dk-Kommentar, der die hohen Folgekosten für kommende Generationen thematisierte, bekräftigt Aktionssprecher Heiko A. Honisch: „Ein neues Wasserwerk würde keinesfalls die Gebührenzahler finanziell belasten, sondern ausschließlich zu Lasten des Eigenkapitals der Stadtwerke gehen.“ Und im Verhältnis zur dauerhaft und extrem defizitären Grafttherme seien die Kosten durchaus überschaubar. Stadtwerke-Chef Salmen habe 2009 errechnet, dass ein neues Wasserwerk mit einer Leistung von einer Millionen Kubikmetern Trinkwasser pro Jahr 1,8 Millionen Euro inklusive der Technik zur Reduzierung des Humingehaltes kosten würde.

Nach zehn Jahren amortisiert

Nach Ansicht des Aktionsbündnisses würde die Errichtung eines neuen Wasserwerkes für 1,8 Millionen Euro zuzüglich der jährlichen Betriebskosten realisierbar sein. Das reine Abpumpen des Grundwassers koste pro Jahr rund 180.000 Euro. Hierin seien die zusätzlichen Kosten für Wartung, Pflege und Erneuerung der Brunnen nicht mit eingerechnet. Die reinen Betriebskosten machten pro Jahr ganze zehn Prozent der Kosten eines neuen Wasserwerkes aus. Dieses hätte sich bereits nach zehn Jahren amortisiert, ohne auch nur einen Liter Trinkwasser über Gebühren abgerechnet zu haben. Da laut Bündnis aber auf nicht absehbare Zeit weiter mit einem Grundwasserstand gerechnet werden müsse, der „weder siedlungs- noch naturverträglich ist“, müsse das Grundwasser auf Jahrzehnte künstlich, also durch Abpumpen, abgesenkt werden. „Es wird uns also schon rein rechnerisch nichts anderes übrig bleiben, als möglichst schnell ein neues Wasserwerk zu betreiben, um die Kosten so gering wie möglich zu halten und dem Auftrag der Daseinsvorsorge gerecht zu werden“, bekräftigt Honisch.

dk-Kommentar „nicht zutreffend“

Die im dk-Kommentar geäußerten Zweifel seien „grundsätzlich nicht zutreffend und sie lenken leider vom eigentlichen Problem ab“. Wenn es denn schon einen kritischen Blick zurückgeben sollte, „dann in die Richtung, wie es zu diesem unerträglichen Zustand gekommen ist“. Als der Trinkwasserzukauf über den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) beschlossen wurde, seien den Stadtwerken die Folgen, die bei Beendigung der Wasserförderung eintreten werden, bewusst gewesen. In der Expertise des Gutachters Meyer sei ein „deutlicher Anstieg des Grundwassers prognostiziert worden“ und es gebe darin auch „Hinweise auf die zu erwartenden Schäden an Gebäuden und der öffentlichen Infrastruktur“. Ein weiterer kritischer Blick zurück könnte sich laut Honisch auch mit der Frage beschäftigen, „warum die Verantwortlichen dieser Stadt das Problem in fünf Jahren nicht lösen konnten, vielleicht auch nicht lösen wollen.“