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Menschenkette in Delmenhorst Ministerpräsident Weil feiert mit Willms deutsche Verfassung

Von Frederik Grabbe | 23.05.2019, 16:10 Uhr

An diesem Donnerstag ist das deutsche Grundgesetz 70 Jahre alte geworden. Ein Grund für das Delmenhorster Willms-Gymnasium, ausgiebig zu feiern. Dabei empfing die Schule einen besonderen Gast.

Hoher Besuch in Delmenhorst: Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) war am Donnerstag in der Stadt zu Gast. Genauer: beim Gymnasium an der Willmsstraße. Anlass war der 70. Jahrestag des Grundgesetzes, den die Schule mit einem großen Festprogramm gefeiert hat. Der Besuch des Ministerpräsidenten stellte den Höhepunkt der Reihe dar. Weil stellte sich unter anderem den Fragen von Schülerinnen und Schülern, auch bildete er mit ihnen in der Fußgängerzone die „vielleicht längste Menschenkette Deutschlands“, wie Schulleiter Stefan Nolting euphorisch sagte.

"Grundgesetz ist ein Glücksfall"

Das Spalier, das Weil am Willms zunächst in Empfang nahm, drückte seinem Besuch schon einmal den Stempel auf: Mehrere Schüler hatten sich rote Papp-Kuben übergesetzt, auf denen verschiedene Artikel des Grundgesetzes abzulesen waren. „Als Jurist stehe ich in der Fankurve des Grundgesetzes“, sagte Weil. In einem Konferenzraum des Willms wurde der Ministerpräsident über das ausgreifende Programm der Schule zum Geburtstag des Verfassungstextes informiert.

„Das Grundgesetz ist ein Glücksfall. Es ist die perfekte Verfassung“, bemerkte Nolting. Seine Begeisterung für den Gesetzestext umriss Weil später im Forum des Willms vor Schülern. „Eure und meine Generation hat Krieg nie gekannt. Meine Elterngeneration aber war sehr geprägt durch die Zerstörung des Zweiten Weltkriegs. Deutschland lag in weiten Teilen in Schutt und Asche.“ Weil erinnerte an die 2,5 Millionen Flüchtlinge aus den Ostgebieten, die damals nach Niedersachsen kamen und an die Erkenntnis, die sich für viele Deutsche nach dem Krieg einstellte, dass Nazis und SS sich durch Holocaust und den Überfall Russlands Verbrechen schuldig gemacht hatten, „die es vorher nie gegeben hatte“.

Verfassung wird auch weiter eine Rolle spielen

Vor diesem Hintergrund sei das 1949 verfasste Grundgesetz ein Ordnungsrahmen gewesen, in dem sich das Land entwickeln konnte. Weil sprach Errungenschaften wie die freie Meinungsäußerung und den heutigen Wohlstand im Land an. „Wie gut haben wir es heute? Welches Glück haben wir?“, fragte Weil im Rückblick. Dass die Zukunft weitere Fragen stelle, bei denen das Grundgesetz relevant wird, machte Weil aber ebenfalls deutlich, als er sich von den Schülern befragen ließ.

La Ola für das Grundgesetz

Anschließend ließ der Ministerpräsident zusammen mit mehr als 1000 Schülern insgesamt 500 Luftballons für ein Gewinnspiel des Willms steigen, schoss mit Jugendlichen Selfies und beteiligte sich bei einer Menschenkette durch die Fußgängerzone, die für den 70. Geburtstag des Grundgesetzes La Ola durch die City steigen ließ. Im Verlauf des Vormittags hatten Schüler bereits 4000 Donuts und 500 Grundgesetz-Exemplare in der Innenstadt verteilt. „So habe ich Delmenhorst noch nie erlebt. Ich bin beeindruckt“, sagte Weil.

Bereits im Willms hatte er zum Festprogramm der Schule erklärt: „Ich kenne keine andere Schule in Niedersachsen, die sich in dieser Form für das Grundgesetz engagiert.“

Im Anschluss an die Aktionen zum Jahrestag des Grundgesetzes stellte sich Weil bei einem Besuch des dk-Verlagshauses den Fragen unserer Redaktion. Dabei dämpfte er die Hoffnungen derer, die darauf setzen, dass Delmenhorst ein Hochschulstandort werden könnte. Zugleich betonte er, dass das Land auch weiterhin hinter den Neubauplänen des Josef-Hospitals Delmenhorst steht.