Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Ministerpräsident im Verlagshaus Weil sieht keine Chance für Delmenhorster Hochschule

Von Marco Julius | 23.05.2019, 19:45 Uhr

Noch sichtlich beeindruckt von der Aktion der Willms-Schüler zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) die Redaktion des dk besucht. Dabei ging es unter anderem um das Josef-Hospital und die Frage, ob Delmenhorst eine Hochschule bekommt.

Eine Erkenntnis des Austausches mit der Redaktion: Hoffnungen auf eine Hochschule dürfen sich die Delmenhorster nicht machen. "Wir stehen leider nicht vor einer Phase der Neugründungen von Hochschulen in Niedersachsen. Ich werde in jeder mittelgroßen Stadt, die ohne Hochschule ist, darauf angesprochen, und ich kann jede Stadt, die eine Hochschule möchte, sehr gut verstehen. Aber ich kann hier keine Hoffnungen wecken", sagte Weil. Sollte es allerdings Bemühungen geben, eine private Hochschule zu etablieren, sei er offen für entsprechende Pläne.

Bekenntnis zum Krankenhaus

Deutlich positiver äußerte sich Weil zum Thema Krankenhaus-Neubau in Delmenhorst. "Das Land steht weiterhin hinter dem Krankenhaus-Standort Delmenhorst", betonte der Ministerpräsident. "Alle beteiligten Parteien sind mit großem Engagement dabei, damit das neue Krankenhaus schnell kommt." Nähere Angaben zum Zeitplan, zu möglichen Kosten und zur Höhe der Fördersumme wollte Weil mit Rücksicht auf laufende Gespräche nicht machen. Mit Blick auf den Brand im alten Josef-Stift und die wirtschaftlichen Turbulenzen im Zuge der Insolvenz sagte Weil: "Da hat die Stadt einfach Pech gehabt. Dafür kann sie nix."

Für Delmenhorst fand Weil viele lobende Worte. "Delmenhorst ist sicherlich eine Stadt mit vielen Baustellen. Mein Eindruck ist: Es geschieht hier viel, es bewegt sich einiges – und es wird wenig gejammert. Das imponiert mir." Das Lob galt explizit auch Oberbürgermeister Jahnz, "der die Probleme der Stadt engagiert und systematisch angeht".

Den Vorstoß von Schülern des Max-Planck-Gymnasiums, mittels einer Petition durchzusetzen, dass der Begriff Rasse aus dem Grundgesetz gestrichen wird, nannte Weil "sympathisch". "Ich stolpere selbst immer wieder über diesen Begriff, der zwar nicht von den Nazis erfunden wurde, von ihnen aber so eindeutig belegt wurde, dass man darüber diskutieren sollte, ob er ersetzt werden kann." Den von den Maxe-Schülern stattdessen vorgeschlagenen Begriff Ethnie zählte Weil allerdings "nicht zu den schönsten Worten der deutschen Sprache".

Auf die Jugend hoffen

In die Jugend setzt Weil Hoffnungen. "Fridays for Future" zum Beispiel ist zur Massenbewegung geworden. Das ist ein Tritt in das Hinterteil der etablierten Politik, der durchaus Wirkung zeigt, auch im politischen Berlin", sagte Weil. Er hoffe sehr, dass aus dem Engagement der Jugendlichen dauerhaftes Interesse an Politik entstehe.