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Mit Buntstiften gegen den Stress Malbücher für Erwachsene auch in Delmenhorst im Trend

Von Marco Julius, Ulrich Schärf | 07.11.2016, 15:03 Uhr

Einfach malend zur Ruhe kommen: Malbücher für Erwachsene liegen im Trend. Sie sollen den Geist in einer schnelllebigen Welt zur Ruhe bringen.

Auch die erfahrenste Buchhändlerin kann sich zuweilen nicht ausmalen, was sich an Trends durchsetzt. Aber was heißt Trend, Sabine Jünemann, Inhaberin der gleichnamigen Buchhandlung, spricht von einem Boom. Von einem lang anhaltenden Boom. Seit rund eineinhalb Jahren schon laufen Malbücher für Erwachsene wie das sprichwörtliche geschnitten Brot. „Los ging es mit den Kinderkritzelbüchern, die Welle schwappte dann über zu den Erwachsenen.“ Seitdem finden immer mehr Erwachsene zurück zu einer Beschäftigung, die nach dem Grundschulalter bei den meisten doch irgendwie verschüttgegangen war: Sie malen innerhalb vorgezeichneter Konturen Bilder und Muster aus.

Malen als Anti-Stress-Programm

Die Verlage lagen goldrichtig, als sie dem Ausmalen einen Anti-Stress-Faktor beifügten. Das sieht auch Iduna Tiedemann so, die Leiterin der Buchhandlung Decius. „Man ist ganz bei sich, schaltet ab, arbeitet still und fast meditativ. Wir kennen das doch alle, wenn wir beim Telefonieren nebenbei kritzeln“, sagt sie. Mit den Malbüchern für Erwachsene habe das eine andere, eine größere Dimension bekommen. Es passe einfach in die Zeit, dass der Wunsch da sei, den Geist zur Ruhe zu bringen, sich und den Lauf der Welt zu entschleunigen. Runterkommen, weg vom Computer oder Smartphone, das gelänge beim Malen.

Postkarten und Kalender basteln

„Es gibt heute fast keinen Verlag aus dem Bereich Hobbythemen mehr, der keine Ausmalbücher im Angebot hat“, sagt Tiedemann. Bei Decius nehmen die Malbücher bereits den Großteil der Fläche für Bücher zum Thema Hobby ein. „Vor ein paar Jahren wollte jeder stricken, nähen oder häkeln – heute malen sie alle“, sagt Iduna Tiedemann.

„Die Gärten von Monet – Ein wunderbares Ausmalbuch“, „Gartentraum & Farbenzauber – Wunderbares zum Ausmalen“, „Zen Zauber – Muster malen zur Entspannung und Inspiration“, „Ethno-Muster – Malen und Entspannen“ heißen die Titel zum Beispiel. Aber mittlerweile gibt es auch Bücher wie „Entspann Dich endlich, verdammte Scheiße!“ oder „Lass es raus – Das Wut-Malbuch“. Wer glaubt, das Ausmalen sei nicht kreativ, der kann auch Bücher kaufen, mit denen sich Postkarten oder Kalender basteln lassen, sagt Sabine Jünemann.

„Thema ist frauenlastig“

„Ich habe eine Kundin, die sagt, sie könne nicht frei malen oder zeichnen. Das Ausmalen mache ihr aber riesige Freude“, berichtet sie. Und beim Ausmalen sind kaum Grenzen gesetzt: florale Motive, Märchenwälder, die bezaubernde Welt der Ozeane, es gibt kaum noch etwas, was es nicht gibt. Die Bücher werden zum Teil im Paket angeboten – mit hochwertigen Buntstiften oder mit CDs voller beruhigender Musik. Doch wer kauft solche Bücher? „Das Thema ist schon sehr frauenlastig“, erläutert Iduna Tiedemann. Eine Beobachtung, die auch Sabine Jünemann in ihrer Buchhandlung macht. Von 20 bis 60 sei jedes Alter dabei. „Und die Malbücher kauft man für sich selbst, nicht zum Verschenken.“

Buntstifte zeitweise knapp

Der Trend mit den Ausmalbüchern hält sich so gut, dass etwa Faber Castell zwischenzeitlich Sonderschichten fahren musste, weil die Buntstifte einen so reißenden Absatz fanden, weiß Iduna Tiedemann.

Übrigens: Der Buchhandel kündigt bereits den nächsten Trend an. Nach dem Ausmalen soll jetzt das Schönschreiben von Hand folgen. „Handlettering“ heißt das marktkonforme Stichwort. Ob der neue Trend so erfolgreich wird, wie das Ausmalen muss sich aber erst noch zeigen.