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Mit USB-Stick -Lehrer-PC angezapft? Schwerer Verdacht gegen Delmenhorster Schüler

Von Frederik Grabbe | 11.11.2015, 19:06 Uhr

Schüler der BBS I sollen per USB-Stick illegal Daten für eine anstehende Klausur von einem Lehrer kopiert haben. Jetzt ermittelt die Polizei.

Fünf bis sieben Schüler der 12. Stufe des Wirtschaftsgymnasiums an den Berufsbildenden Schulen I (BBS I) sollen Arbeitsblätter anstehender Klausuren direkt von dem PC eines Lehrers kopiert haben. Dies ist nun aus Schülerkreisen bekannt geworden.

Demnach habe die Schulleitung drei Klassen der 12. Stufe am Freitag zu einer Versammlung gerufen und den betroffenen Schülern die Chance eingeräumt, sich wegen ihres Vergehens freiwillig zu melden. Dies sei geschehen. Laut einer Schülerin sollen die Missetäter daraufhin vorläufig vom Unterricht suspendiert worden sein. Glaubt man dieser Version der Geschichte, steckte in dem Vergehen der Schüler eine gehörige Portion kriminelle Energie: Sie sollen sich per USB-Stick Zugang zu den Daten des Lehrers verschafft haben. Ein Programm, so heißt es, habe alle letztbearbeiteten Daten kopiert und auf dem Stick gespeichert. Die Schule soll weiter Anzeige gegen die Schüler erhoben haben.

Der Vorwurf: das Ausspähen von Daten

Die Polizei bestätigt lediglich, dass derzeit in einem Verfahren wegen Ausspähens von Daten, wie es im Strafrecht heißt, ermittelt werde. Demnach ist am Montag eine Anzeige eingegangen. Details konnte eine Polizeisprecherin am Mittwoch nicht nennen. Es sei auch noch nicht klar, wie viele Personen bei der Tat mitgewirkt haben.

Auf Anfrage des dk wollte sich Schulleiterin Katja Mönnig, die seit rund zwei Jahren die Leitung bei der BBS I innehat, mit Verweis auf die Schulbehörde nicht äußern. „Die Sache ist in Bearbeitung. Ich kann nichts dazu sagen.“

 (Weiterlesen: Berufliche Gymnasien erweitern Angebot) 

Bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde wollte man sich zu dem Vorfall aus Datenschutz- und Fürsorgegründen ebenfalls nicht äußern.

Erziehungsmittel oder Ordnungsmaßnahmen drohen

Hat sich Fall tatsächlich wie geschildert ereignet, droht den Schülern schulrechtlich gesehen im schlimmsten Falle ein Verweis. „Generell gesprochen, könnten in solchen Fällen Erziehungsmittel oder Ordnungsmaßnahmen angewendet werden“, so Behördensprecherin Bianca Schöneich. Ordnungsmaßnahmen werden nach dem Niedersächsischen Schulgesetz unter anderem ausgeführt, wenn Schüler ihre Pflichten grob verletzt oder gegen rechtliche Bestimmungen verstoßen haben.

Dies wäre mit dem Straftatbestand, dem Ausspähen von Daten, erfüllt. Wer sich unberechtigt Zugang zu Daten verschafft, gegen den kann laut Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe verhängt werden – dies allerdings nur ohne Berücksichtigung des Jugendstrafrechts.

Zu dem Thema war gestern das Amtsgerichts nicht zu erreichen.