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Mittelalter-Wochenende Delmenhorster Stadtgetümmel legt guten Start hin

Von Sascha Sebastian Rühl, Sascha Sebastian Rühl | 07.07.2018, 15:18 Uhr

Graf Gerds Stadtgetümmel hat am Samstag einen guten Start hingelegt. Die vielen Vorführungen und die schöne Atmosphäre im mittelalterlichen Heerlager sorgten für zufriedene Besucher. Auch am Sonntag werden viele Gäste erwartet.

Vollgepackt mit Schwertern, Fellen, Leder und hoch zu Ross ist mit einem großen Umzug der Mittelalter-Gemeinschaft am Samstagmittag Graf Gerds Stadtgetümmel eröffnet worden. Gaukler Tumalon sprach ein paar einführende Worte, in denen er sich über die seltsame Welt wunderte, in der das mittelalterliche Heerlager entstanden ist. „Es passiert noch, dass ihr Weiber die Wagen lenken lasst. Ich hab auch gehört, dass ihr eure Fürsten selbst wählen dürft. Was kommt raus? Weiber mit hässlichen Frisuren.“

Feierliche Eröffnung

Dann bat er die seltsam gewandete Menge, mit „infernalem Jubel“ Bürgermeisterin Antje Beilemann (SPD) zu begrüßen. „Wir haben alles getan, um euch in unsere Zeit mitzunehmen und ein buntes Fenster ins Mittelalter zu bieten“, sagte die ebenfalls wie vor 1000 Jahren gekleidete Politikerin. Sie bedankte sich außerdem bei der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (dwfg), die das Ereignis veranstaltet.

Staunende Gesichter

Beim anschließenden Ausmarsch aller Mittelalterfreunde rund um Graf Gerd wunderte sich so mancher Durchreisende über die kurzfristige Sperrung der Bismarckstraße. Auch auf dem Delmenhorster Marktplatz wollte so mancher Besucher seinen Augen nicht trauen, als Ritter Platz für ihren Grafen forderten und sich auch Pferde, Spielleute und Soldaten zwischen den Marktständen durchschoben.

Gut gelaunte Besucher

Zuweilen war es schwer zu erkennen, wem das Stadtgetümmel mehr Freude bereitete: den Mittelalter-Darstellern oder den Kindern. Beide hatten großen Spaß und das zauberte auch den Zuschauern, etwa beim Kinder-Ritterturnier ein Lächeln ins Gesicht. Für Staunen sorgten die Adler, Bussarde, Falken, eine schwarze Schleiereule und ein Steinkauz der Falkner im Zentrum der Burginsel. „Es macht hier immer wieder viel Spaß und man kann hier interessante Gespräche führen“, lobte der „Falkner Ari“ das Stadtgetümmel. Obwohl seine Tiere bei der ersten Flugschau noch etwas flugfaul gewesen wären, hätte das Publikum gut mitgemacht. „Wir kommen jedes Jahr. Immer wieder gerne.“

Leben wie vor 900 Jahren

Ebenfalls wohl im Heerlager der Burginsel fühlte sich Michaela Sinn von den Rittern von Bardenfleth. „Das Leben ohne Strom und Wasser und altes Handwerk“, sagt sie auf die Frage, was sie am meisten am Mittelalter fasziniert. In ihrem Lager wurde tagsüber nicht des Weins gehuldigt, sondern der Handarbeit. Es wurde Wolle gekämmt, gesponnen und es wurde gewebt. Sogar ein Gerät der dunklen Künste ließ sich in ihrem Zeltlager finden. „Spinnräder waren damals noch verpöhnt – sie waren Teufelswerk“, verrät sie. Ebenfalls im Lager aktiv war Christiane Jachens, die den Zuschauern vorführte, wie man Pfeile herstellt. Auf ihrer Nase: eine eigentümliche Brille aus Holz. Gab es sowas damals? „Ein solches Gestell aus dem 11. oder 12. Jahrhundert hat man in einer Kirche gefunden“, erklärt die Pfeilspezialistin.

Kulinarische Verlockungen

Auch das kulinarische Rahmenprogramm fand eine Fangemeinde. Vom Lügenbrot, in das man in der Fastenzeit alles Gute einbackte, damit es keiner sah, über Käsespätzle bis zur Toten Sau und rustikalem Knoblauchbrot reichte die Bandbreite. Verhungert ist im Laufe des ersten Stadtgetümmel-Tages wohl niemand.

Gaukler sehr beliebt

Die Gaukler Tumalon und Tamino schafften es mehrmals am Tag, für eine größere Zuschauerschar zu sorgen. Während Tamino eine Mischung aus unterhaltsamen Märchen und magischem Trick vorführte, unterhielt Tumalon sein Publikum mit kleinen Frotzeleien und komödiantischem Jonglieren. Weitere Lieblinge der Kinder waren die tierischen Darsteller des Frettchenzirkus, das Ponyreiten oder das Axtwerfen. Für zusätzliche Abwechslung sorgten die verschiedenen Musikgruppen.

Auch am Sonntag geöffnet

Am Sonntag beginnt das Programm um 11 Uhr und endet um 18 Uhr. Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt, Kinder bis Schwermaß haben freien Eintritt.