Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Mitternacht mimt Münchhausen Lügenbaron amüsiert Delmenhorster Publikum

Von Jasmin Johannsen | 07.05.2017, 15:36 Uhr

„Freiherr von Münchhausen ist Meister der ‚alternativen Wahrheiten‘“, weiß Sabine Jünemann. Nicht nur aus gegebenen Anlass, Donald Trump sei Dank, sondern auch weil sich der Todestag des Freiherrn in diesem Jahr zum 220. Mal und der Geburtstag von Gottfried August Bürger zum 270. Mal jährt, erweckte Schauspieler Johannes Mitternacht den Lügenbaron zum Leben.

Gelebt hat er tatsächlich, der Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen. Seine absurden Lügengeschichten spielen vor über 200 Jahren. Bürger, seinerseits Dichter der Aufklärung, hat die Erzählungen festgehalten, die Münchhausen bei der einen oder anderen Flasche und in gemütlicher Runde erzählt haben soll und hat sie damit unsterblich gemacht. In voller Kostümierung und mit jeder Menge Requisiten bewaffnet schlüpfte Mitternacht in die Rolle des Lügenbarons und brachte das Publikum mit den grotesken Abenteuern zum Lachen.

Originale Fassung um aktuelle Bezüge erweitert

Von dem berühmten Ritt auf dem halben Ross, von Mitternacht mit Peitsche in der Hand und auf einem wiehernden Steckenpferd galoppierend komödiantisch umgesetzt, bis zum Sprung auf die Kanonenkugel mit samt Umstieg auf eine zweite Kugel während des Fluges: Mitternacht hatte sich die Perlen unter den niedergeschriebenen Erlebnissen des Barons herausgepickt und bewies, dass die wilden Possen auch heute noch unterhaltsam und aktuell sind.

Denn der Schauspieler erweiterte die originalen Fassungen von Bürger mit aktuellen, durchaus kritischen Bezügen. Da trägt die gefürchtete russische Zarin Anna Iwanowna den Beinamen „Putineska“ und der Sultan bricht in einen „gar erdoganischen Zorn“ aus. Selbst für die frostigen Temperaturen der letzten Wochen hat Mitternacht die passende Lügengeschichte herausgesucht. Schuld sei nicht der Klimawandel, sondern ganz nach postfaktischer Sichtweise ein Geschehnis vor über 200 Jahren. Da habe die Sonne in einem besonders kalten Winter einen Frostschaden erlitten. „Daran siecht sie bis zum heutigen Tag“, erklärt der Münchhausen-Darsteller lapidar.

Ein amüsanter und von Mitternacht bis ins kleinste Detail perfekt komödiantisch inszenierter Abend, für den sich das Publikum mit langanhaltendem Beifall bedankte.