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Modeindustrie in Delmenhorst Mit Herzblut und vielen Überstunden im Atelier designt

Von Dirk Hamm | 21.03.2015, 18:59 Uhr

Mäntel, Jacken, Maschinen, Bügeleisen und vieles mehr dokumentieren im Fabrikmuseum die vergangene Glanzzeit der hiesigen Modeindustrie. Antje Iselhorst hat diese Zeit aktiv miterlebt.

Sie hatten über Jahrzehnte einen guten Klang, die Namen Delmod und Lamod. Zusammen mit einer Reihe weiterer Firmen wie Oggi oder Abitzsch prägten diese Unternehmen in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg den Ruf Delmenhorsts als wichtiger Standort der Bekleidungsindustrie. Mit der Insolvenz von Delmod im Jahr 2009 endete diese Ära.

Von Mitte der 80er Jahre bis zum Jahr 2002 arbeitete Antje Iselhorst erst für Lamod, später dann für Delmod und stieg bis zur Designerin von Damenjacken und -mänteln auf. Das Ende von Delmod erlebte sie nicht mehr als Mitarbeiterin mit, zuvor hatte die zweifache Mutter bereits ihren Abschied genommen, um mehr Zeit für die Familie zu haben. „Es ist sehr schade für Delmenhorst. Mit dem Ende der Bekleidungsindustrie sind sehr viele Arbeitsplätze verloren gegangen, die fast ausschließlich von Frauen besetzt wurden“, bedauert die 47-Jährige die Entwicklung bis hin zum Aus für einst so blühende Unternehmen.

Seit Oktober vergangenen Jahres dokumentiert die Sonderausstellung „Mode made in Delmenhorst“ im Fabrikmuseum auf der Nordwolle die Glanzzeiten und den Niedergang der Bekleidungsindustrie in der Delmestadt. Jetzt ist die Schau um ein Vierteljahr bis zum 12. Juli verlängert worden. Viele ehemalige Beschäftigte dieses Industriezweigs haben Gegenstände zu dieser Ausstellung beigetragen, von Teilen aus den alten Kollektionen über Kataloge und Werbeanzeigen bis hin zu originalen Arbeitsgeräten.

„Rita-Süssmuth-Blazer“ als Gesellenstück

Bei Antje Iselhorst hat der Besuch der Ausstellung so manche Erinnerung an ihre Zeit bei Lamod und Delmod geweckt. Zum Beispiel, dass es eine sehr arbeitsintensive Zeit war. Denn als Leiterin des Ateliers für Flachgewebe mit rund einem Dutzend Mitarbeitern war Iselhorst ab 1996 dafür verantwortlich, dass die jeweils neue Kollektion rechtzeitig fertig wurde. „Wenn wir Saison hatten, dauerten die Arbeitstage von sieben bis mindestens 18 Uhr.“ Mit viel Herzblut sei jeder im Atelier zu Werke gegangen, sagt die Delmenhorsterin, und wenn wie ab Mitte der 90er Jahre die Microjacken ein Produkt besonders gut lief, habe das alle stolz gemacht und noch zusätzlich angespornt.

Der Besuch der Ausstellung hat Antje Iselhorst auch dazu inspiriert, dem Museum ihre alten Skizzenhefte und ihr Gesellenstück zu übergeben. „Das war ein klassischer ‚Rita-Süssmuth-Blazer‘, dazu ein bisschen Chanel, mit Stehkragen und dicken Schulterpolstern“, beschreibt sie das Kleidungsstück, mit dem sie 1987 ihre zweieinhalbjährige Ausbildung zur Bekleidungsschneiderin abschloss. Heute ist Antje Iselhorst als pädagogische Mitarbeiterin in Delmenhorster Grundschulen tätig und gibt ihr Wissen in Sachen Mode und Textil als Dozentin weiter, beispielsweise beim Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft. An ihre Jahre bei Lamod und Delmod denkt sie gerne zurück: „Manchmal juckt es mich wieder in den Fingern.“