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Modell in Delmenhorst Plan-A-Paten entlasten psychisch kranke Eltern

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 24.08.2016, 08:34 Uhr

Entlastung bei der Betreuung: Das Patenschaftsmodell der Kinderhilfe Plan A unterstützt Eltern mit psychischer Erkrankung. Neue Paten sind weiterhin gefragt.

Die Kinder- und Jugendhilfe Plan A sucht weiterhin Menschen, die durch eine Patenschaft psychisch erkrankte Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützen. Bei dem Patenschaftsmodell geht es darum, „dass eine verlässliche Bezugsperson neben den Eltern für die Kinder da ist“, erzählt Kristina Taeger von Plan A. Bereits acht Paten betreuen mindestens einmal pro Woche ein Kind, dessen Mutter oder Vater an einer psychischen Krankheit leidet.

„Wir erziehen die Kinder nicht, wir betreuen sie einfach nur, damit sie einen schönen Tag haben und auch etwas anderes erleben“, sagt Heike Hammel, die sich seit sieben Jahren als Patin um ein Mädchen kümmert. Die Paten treffen sich zum Spielen mit den Kindern oder unternehmen Dinge, die Eltern auch gerne tun würden, aber aufgrund der Krankheit nicht tun können. „Wenn eine Mutter zum Beispiel Angststörungen hat und sich mit Kindern nicht auf den Spielplatz traut, dann ist jemand da, der das mit auffängt“, meint Taeger.

Erster Schritt nicht leicht

Es gehöre auch zur elterlichen Fürsorge, sich auf solche Angebote zu stützen, wenn gewisse Dinge durch einen selbst nicht geleistet werden können. Vielen Eltern fiele das zunächst schwer. „Es ist ein großer Schritt, wenn die Eltern auf uns zu kommen und uns sagen, ich bin krank, wir brauchen Hilfe“, sagt Heike Hammel.

Zwei bis drei Stunden pro Woche sollten die Paten der Kinder annehmen. Nach einer gewissen Zeit sei auch in bestimmten Abständen vorgesehen, dass die Paten das Kind für ein ganzes Wochenende zu sich nehmen. „Es geht nicht darum, das Kind aus der Familie zu nehmen, sondern nur darum, eine gewisse Sicherheit zu schaffen“, sagt Taeger. Für die Eltern der Kinder stellt die Zusammenarbeit eine Entlastung dar. Außerdem stehen die Paten den Eltern bei Sorgen rund ums Kind auch als Ansprechpartner zur Seite. Die Krankheiten der Eltern werden den Paten nicht genannt.

„Chemie muss stimmen“

Paten sollten motiviert sein, eine langfristige Bindung einzugehen, offen für andere Lebenszusammenhänge sein und regelmäßig Zeit haben. Auch Erfahrungen im Umgang mit Kindern sind vorausgesetzt. Eigene Kinder stellen kein Hindernis für eine Patenschaft dar. „Ich habe selber zwei Kinder und die sind dem Ganzen sehr aufgeschlossen“, erzählt Patin Sabrina Bahl.

Nach den Erfahrungen die Plan A über die Jahre gesammelt hat, freuen sich die Kinder über die Zeit mit den Paten. Das sei auch eine wichtige Voraussetzung für die Patenschaft, meinen beide Patinnen. „Die Chemie muss stimmen“, sagt Kristina Taeger. In der Kennlernphase finden beide Seiten heraus, ob die Verbindung passt. Offiziell endet die Patenschaft mit der Volljährigkeit, die Verbindung zwischen Kind und Paten bleibt aber meistens weiter bestehen.