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Mögliche Tierquälerei Tote Lämmer bei Delmenhorst Fall für Veterinäramt

Von Frederik Grabbe | 13.01.2016, 20:02 Uhr

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Auf einer Weide am Stadtrand von Delmenhorst sollen mehrere Lämmer verendet sein. Das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg prüft den Fall. Der Schäfer wehrt sich gegen den Vorwurf der Tierquälerei.

Einen möglichen Fall von Tierquälerei prüft derzeit das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg. Auch die Polizei hat sich eingeschaltet. Auf einer Schafwiese im Bereich Annenheide wurden nach Augenzeugenberichten tote Lämmer gefunden. Eine Anwohnerin meldete den Fall den Behörden.

Veterinäre waren vor Ort

Die Amtsveterinärin der Stadt Delmenhorst, Dr. Nicolin Niebuhr, war ebenfalls vor Ort – allerdings mit anderen Erkenntnissen: „Ich habe keine toten Tiere entdecken können. Die anderen Tiere machten einen munteren Eindruck auf mich.“ Weil die Weide im Landkreis Oldenburg liegt, habe sie den Fall dennoch an das zuständige Veterinäramt des Kreises abgeben. „Wir haben die Bilder der verendeten Lämmer gesehen und prüfen den Fall“, sagte Dr. Dirk Claussen vom Landkreis. „Wir werden die gesamte Tierhaltung prüfen.“ Ein Mitarbeiter des Veterinäramtes war am Freitag vor Ort. Inzwischen geht die Behörde von zwei toten Tieren aus. Für den Fall, dass die Vorwürfe zutreffen, könnte eine Ordnungswidrigkeit ausgesprochen, ein Bußgeld verhängt oder ein Strafverfahren eingeleitet werden. Die Polizei teilte mit, dass man zunächst eine Stellungnahme des Veterinäramtes abwarte.

Spaziergängerin spricht von weit mehr toten Tieren

Spaziergängerin Silvia Blase hatte nach ihren Angaben die toten Lämmer am Mittwoch, 6. Januar, auf der Fläche nahe der Zeppelinstraße an der Stadtgrenze entdeckt. Auf der Wiese befanden sich laut Blase zu dem Zeitpunkt rund 40 weitere Tiere. „Es gab kein Unterstellplatz in der Kälte und kein Heu. Für mich ein klarer Fall von Tierquälerei.“

Zahlreiche Fotos hat Blase von den verendeten Tieren und von einem Lamm geschossen, das sich im Draht eines Zaunes verheddert hatte, welches sie daraufhin befreite. Mittlerweile seien die Kadaver entfernt. Blase spricht von insgesamt zehn toten Tieren. Die Herde sei mittlerweile an einen anderen Ort gebracht worden.

Schäfer: „Junge Schafe Krankheitsanfällig“

Nach Ansicht des Schäfers (Name der Redaktion bekannt) gestaltet sich der Fall allerdings völlig anders: Es handele sich nicht um zehn tote Tiere, sondern nur um eines. Lämmer seien in den ersten sechs Wochen anfälliger für Krankheiten, bekräftigte er gegenüber dem dk. „Haben sie diese Schwelle überschritten, sind sie sehr widerstandsfähig.“ Das tote Lamm sei erst vier Wochen alt gewesen.

Kälte soll nicht die Ursache gewesen sein

Bereits zuvor habe er Kadaver in ein Untersuchungslabor geschickt, um der Todesursache nachzugehen. Bisher ohne Erfolg. Er ist sich sicher, dass Kälte, fehlende Nahrung oder fehlendes Wasser nicht den Tod des Lamms hervorgerufen haben. „Die Minustemperaturen der vergangenen Tage sind für die Tiere kein Problem. Und auch wenn 20 Zentimeter Schnee liegen, kratzen sie sich das Gras auf den Wiesen frei. Und Tränken sind auch vorhanden“, so der Schäfer, der auf 40 Jahre Zuchterfahrung hinweist.

Gegen den Vorwurf der Tierquälerei verwahrt sich der Schäfer. „Es gibt immer welche, die sich aufregen. Sie vermenschlichen zu sehr. Aber in der Tierzucht gibt es immer tote Tiere. Schauen Sie sich die Schweine- oder Hühnerhaltung an. Dort sterben viel mehr Tiere.“