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Monatelange Wartezeit Neubauten in Delmenhorst ohne Telefon und Internet

Von Marie Busse | 31.01.2018, 12:42 Uhr

Kein Telefon und kein Internet in den eigenen vier Wänden. Nach einem Wohnungswechsel müssen Betroffene oft monatelang auf die Telekom warten. Das berichten auch Telekom-Kunden in

Die Freude über die neue Eigentumswohnung an der Friedensstraße währte bei Mike Strecker und seiner Freundin nur kurz. Telefon und Internet? Hier nicht! „Im März 2016 beantragte der Bauträger den Hausanschluss bei der Telekom, im April 2016 wurde der Anschluss in Auftrag gegeben, im August vergangenen Jahres sind eingezogen, aber wir haben bis heute kein Internet und kein Telefon“, sagt Strecker. Keine Wohnung des Mehrfamilienhauses hat bislang einen Anschluss. Ähnliches schildert auch Karin Nitzsche. „Wir haben uns gefreut, nach dem Umzugsstress unsere Ruhe zu haben, aber jetzt haben wir schon wieder Ärger“, erklärt die Seniorin, die am Uferweg wohnt. Seit ihrem Antrag bei der Telekom für den Neubau im vergangenen März warten sie und ihr Mann sowie vier weitere Mietparteien auf einen Telefon- und Internetanschluss.

Mehr als ein Jahr Wartezeit

Von der Telekom gibt es anstelle eines funktionierenden Zugangs für Mike Strecker und Karin Nitzsche zahlreiche Warteschleifen, unbeantwortete E-Mails und viel Frust. „Man fängt bei Anrufen immer wieder von vorne an, weil der Sachbearbeiter jemand Neues ist. Die haben zwar Verständnis, aber helfen können sie nicht“, sagt Mike Strecker.

Telekom muss eine Grundversorgung garantieren

Rechtlich gesehen muss die Telekom einen Anschluss zu jedem Haus legen. Universaldienst heißt hier das Zauberwort. Nach dem Telekommunikationsgesetz gehört die Mindestversorgung, also ein Telefonanschluss zu einem erschwinglichen Preis – egal wo – dazu. Auch wenn ein anderer Anbieter wie die EWE genutzt wird, muss trotzdem die Leitung durch die Telekom freigeschaltet werden. „Besonders wenn die Telekom die Leitung für Drittanbieter, also Konkurrenten, freischalten soll, gibt es lange Wartezeiten“, erklärt Gerrit Cegielka von der Verbraucherzentrale in Bremen. „Solche Fälle sind ständiger Beratungsgast bei uns. Der Kunde selbst wird am Telefon oft abgewimmelt“, sagt er weiter. Das kann auch Mike Strecker bestätigen. Er will nach der Freischaltung durch die Telekom die EWE nutzen und wartet seit fast zwei Jahren. „Grundsätzlich stellen wir wiederkehrende Probleme bei der Telekom fest, wenn der Kunde bei einem anderen Anbieter als der Telekom einen Vertrag abschließen möchte“, erklärt Mareike Baudis von der EWE. „Die Kunden müssen oft lange warten“, sagt sie weiter.

Bereitstellung dauert durchschnittlich fünf Monate

Die Bereitstellung des Hausanschlusses im Neubau dauert laut Telekom durchschnittlich fünf Monate. Zu Verzögerungen kann es laut des Bonner Konzerns kommen, wenn Handwerker nicht fristgerecht arbeiten oder das Wetter die Arbeiten in die Länge zieht. Was aber, wenn die Telekom selbst Teil der Verzögerungen ist? Die Telekom verweist auf den Bauherren-Service, der den Neubau begleitet. Mike Strecker bekam im April 2016 vom Bauherren-Service die Bestätigung, dass der Anschluss in Auftrag gegeben sei. Ein Jahr und neun Monate später, im Dezember 2017, dann die Bestätigung, dass die Montage erfolgreich abgeschlossen ist. Nur von Telefon und Internet fehlt immer noch jede Spur. „Im Dezember war hier kein Techniker – und bei der Telekom kann ich niemanden erreichen“, sagt Strecker. Auch bei Familie Nitzsche war bisher kein Techniker der Telekom vor Ort. „Wir bleiben aber optimistisch, dass es bald klappt. Im Februar soll der Anschluss verlegt werden“, betont sie.

Breitbandausbau der Bundesregierung

Der Breitbandplan der Bundesregierung sieht vor, dass bis Ende 2018 in ganz Deutschland Internetzugänge mit mindestens 50MBit pro Sekunde geschaffen werden. Vier Milliarden Euro an Fördermitteln stehen zur Verfügung. Vor allem in ländlichen Regionen soll das Netz ausgebaut werden. Davon spüren Mike Strecker und Karin Nitzsche bisher nichts. Sie warten immer noch auf ihren Anschluss.