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„Moraland“ in Delmenhorst Moraner bezaubern bei Burginselträumen

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 24.07.2016, 15:33 Uhr

„Herzlich Willkommen in Moraland“ riefen verrückt gekleidete Wesen den Delmenhorster Zuschauern zu. Das Theater Anu nahm die Delmenhorster am Freitag und Samstag mit in die Welt der Moraner zu einer Geschichte von Mensch und Natur.

„Was eindrucksvoll am Tage scheint, wird zu einem Bilderrausch, wenn es dunkel wird“, sagte Kaleidoskopmacher Shanti. In verschieden bunten Farben erstrahlte die Burginsel, nachdem die Sonne untergegangen war. So richtig wussten die Zuschauer nicht, was auf sie zukommt, als die Moraner ihnen entgegenliefen und riefen: „Herzlich Willkommen in Moraland. Kommt herein, kommt herein!“ Nur zögerlich wagten sich die Delmenhorster auf das Gelände der Burginsel, das am Freitag- und Samstagabend „Moraland“ hieß – die Heimat eines kindlich verspielt wirkenden, verrückt gekleideten Volkes, das sich Moraner nennt.

Die Bühne setzte sich aus mehreren kleinen Spielorten zusammen, an denen das Theater Anu aus Berlin die Geschichte von Moraland inszenierte und jeder Moraner den Besuchern die Geschichte seines Volkes näher brachte. Dadurch lauschten die Zuschauer den verschiedenen Geschichten zu unterschiedlicher Zeit. Moraland ist kein frontal erzähltes Stück, die Moraner lassen ihre „Besucher“ an ihrer Welt und ihren Bräuchen teilhaben, wodurch diese die Erzählung besser verstehen können. „Jeder ist ein wenig anders, sie schaffen es, die Menschen auf eine ganz tolle Art mitzunehmen“, fand Zuschauerin Heike Bock.

Fantasievoll dargestellte Welt

Der Kaleidoskopmacher Shanti nahm die Zuschauer mit in sein Zelt, und teilte seine Geschichte im Farbenrausch bunter Spiegelbilder mit. Eine Steingärtnerin erzählte eine Geschichte von der Geduld. Eine andere Moranerin berichtete einer kleinen Gruppe über die Verbindung zwischen Moranern und den Bäumen und brachte die Zuschauer dazu, sich wie bei Moranern üblich, in die Wurzeln der Bäume zu legen.

Eine Zofe erzählte über das Schicksal der Moraner und deren verstorbener Königin. Sie lud die Delmenhorster zum Tanz ein und schaute sich unter den anwesenden Damen nach einer neuen Königin um. Diese sollte der Legende nach in der rot angestrahlten Knospe in der Mitte der Burginsel eine Nacht lang schlafen, um so die Thronfolge in Moraland anzutreten. Dadurch werde das Verhältnis der Moraner zu der von ihnen zerstörten Natur wiederhergestellt.

Verhältnis zwischen Mensch und Natur

Moraland ist eine verrückte, aber liebevoll erzählte Geschichte über die Einstellung der Menschen zur Natur. Je mehr die Zuschauer sich darauf einließen, desto mehr konnten sie die Geschichte auch nachvollziehen. „Wenn man das nicht annimmt, dann kommt einem so etwas auch nicht näher“, resümierte eine Zuschauerin. „Kommt man als Tourist in ein anderes Land, hängt auch vieles davon ab, wie man selber damit umgeht“, erklärte Stefan Behr, künstlerischer Leiter des Theaters, im Vorfeld.

1500 Besucher kamen an beiden Abenden zu den Burginselträumen. Wegen langer Wartezeiten vor den einzelnen Schauplätzen konnten nicht mehr Besucher auf die Burginsel gelassen werden. „Wir sind mit der gesamten Veranstaltung sehr zufrieden und haben von den Besuchern haben wir sehr viel Lob und positives Feedback erhalten“, sagte Ann-Katrin Meyer vom Delmenhorster Kulturbüro.