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Most-Saison startet Ein echter Saftladen in Delmenhorst-Sandhausen

Von Marco Julius | 24.08.2015, 14:16 Uhr

In Sandhausen macht Martin Clausen Saft aus dem Obst, das ihm seine Kunden bringen. Die Nachfrage nach „eigenem“ Saft ist groß.

Man tritt Martin Clausen in diesen Tagen nicht zu nahe, wenn man sein Geschäft derzeit einen Saftladen nennt. Am Montag hat Clausen, der an der Stedinger Landstraße 101 im Norden der Stadt seinen demeter-Gärtnerhof Sandhausen betreibt, die Most-Saison eröffnet. „Jeder bekommt den Saft aus seinem eigenen Obst“, verspricht Clausen – und die Nachfrage ist schon in den ersten Stunden groß. Immer wieder halten Autos, Kofferräume voller Äpfel und Birnen werden geöffnet.

Apfelsaft mit Emotionen

Bald 20 Jahre betreibt Clausen die Mosterei nun schon. „Ich hätte anfangs gar nicht gedacht, welche emotionale Bedeutung Apfelsaft für den Menschen haben kann“, sagt er lachend. Zumal wenn es der Saft aus eigenem Obst sei, der schmecke eben doch am besten. Zu ihm kommt jedes Jahr auch ein Kunde, der die Birnen eines Baumes bringt, den sein Urgroßvater einst gepflanzt hat. „Das verbindet“, weiß Clausen.

100 Kilogramm Äpfel, so rechnet Clausen, ergeben etwa 50 bis 70 Liter Saft. Kunden können den Saft in Ein-Liter-Pfandflaschen bekommen oder im sogenannten Bag-in-Box-System mit Zapfhahn, in das je fünf Liter passen. Ein Liter Apfelsaft kostet 75 Cent plus Flaschenpfand, in der Box gibt es fünf Liter für vier Euro.

„Je fester das Obst, desto besser für die Verarbeitung“, verrät Clausen. Sein Tipp an die Kunden: „Warten Sie nicht bis zum letzten Tag mit der Ernte. Feste Äpfel, die kann man gut pressen, wird der Apfel mürbe, ist es schwierig.“ Auf die Apfelsorte komme es hingegen gar nicht an. Dabei gibt es so viele klangvolle: Jonagored, Novajo, Elstar, Rubi, Winterprinz, Ontario, Gravensteiner, Berlepsch, Ida Red oder gar Geheimrat Oldenburg. Einen Favoriten hat Clausen nicht.

Saison dauert zehn Wochen

Jede Lieferung bekommt einen „Laufzettel“, die Durchschrift gilt als Abholschein für den fertigen Saft. So ist sichergestellt, dass jeder Kunde den Saft aus seinem eigenen Obst bekommt. „Fertiger Saft muss zeitnah abgeholt werden. Wir haben sonst ernste Platzprobleme im Lager“, sagt Clausen.

Rund zehn Wochen dauert die Saison in der Mosterei. Neben Äpfel und Birnen kann Clausen mit seinem Team auch Trauben, Holunder, Quitten, Rote Bete und sogar Sellerie oder Möhren zu Saft verarbeiten. „Rote Beete gemischt mit Apfelsaft schmeckt richtig gut, den Saft verkaufen wir das ganze Jahr über Im Hofladen“, sagt der Moster. Nur Kernobst könne man leider nicht verarbeiten.

Für die Qualität des Saftes ist der Kunde mitverantwortlich: „Grundsätzlich gilt sicher: Je besser die Obstqualität umso besser der Saft. Aber ob die Äpfel groß oder klein, ob es Pflück- oder Fallobst ist, spielt für die Qualität keine Rolle.“

Gutes Apfel-Jahr 2015

Das gewaschene Obst wird in den Maschinen ordentlich ausgequetscht. In der Rätzmühle werden die Äpfel zurnächst zur Maische verarbeitet. Unter dem Druck von 300 Bar trennt sich dann der Saft von der musigen Masse. Danach wird der Saft in der Zentrifuge gereinigt und dann durch kurzes Erhitzen auf rund 75 Grad Celsius haltbar gemacht, hinzugefügt wird nichts. Konservierungsstoffe haben auf dem Hof Clausen nichts zu suchen. Der Saft wird dann abgefüllt. Rund ein Jahr lang ist Apfelsaft zum Beispiel haltbar, nach dem Öffnen sollte er aber kühl stehen und in drei bis vier Tagen getrunken werden. „Der Prozess scheint einfach, ist es aber nicht“, sagt Clausen: „Es ist viel Technik nötig, um aus dem Obst hochwertigen Saft zu machen.“

Dieses Jahr, so ist der Eindruck des Saft-Machers, ist ein besonders gutes Apfel-Jahr. „Die Bäume hängen voll und so erwartet uns eine arbeitsreiche Zeit und unsere Kunden eine reiche Saftausbeute.“ Bis Anfang November soll der Saft in Sandhausen nun fließen.