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Musical übt Gesellschaftskritik „Blutsbrüder“ ernten Standing Ovations in Delmenhorst

Von Kea Neeland | 01.11.2016, 18:11 Uhr

Im Kleinen Haus räumte das Spielraumtheater Seckenhausen stehende Ovationen für ihr Stück „Blutsbrüder“ ab. Mehr Zuschauer hätte der Auftritt aber verdient gehabt.

Das von Willy Russel geschriebene Musical „Blutsbrüder“ übt Kritik an der heutigen Gesellschaft, hat Tiefgang und gleichzeitig viel Humor und ins Ohr gehende Lieder zu bieten.

„Kennen Sie die Johnstone Zwillinge?“ Mit dieser Frage richtet sich die Erzählerin zu Beginn des Musicals an die Zuschauer im Kleinen Haus und erzählt im Weiteren die Geschichte der beiden Kinder, die bei der Geburt getrennt wurden. Die leibliche Mutter Mrs. Johnstone (Jessica Knief) hat nicht viel Geld und kann sich zwei weitere Kinder nicht leisten. Da bietet ihre reiche und kinderlose Chefin, Mrs. Lyons (Debbie Beringer), ihr an, eines der Kinder heimlich zu adoptieren. Nach der Geburt wächst Edward (Stefan Gerding) in wohlhabenden Verhältnissen auf, während Mickey (Lars Michalsky) bei seiner leiblichen Mutter in Armut groß wird.

Kritik an Mangel an Chancengleichheit

Obwohl die Mütter versuchen, dass sich die Zwillinge nie treffen, begegnen Eddie und Mickey sich zufällig im Alter von sieben Jahren, freunden sich an und schließen sogar Blutsbrüderschaft. Im Laufe der Zeit verlieren die beiden den Kontakt, treffen sich aber immer wieder. Hier sieht der Zuschauer, wie unterschiedlich sich die beiden entwickeln. Edward aus gutem Hause macht Karriere, während Mickey in die Arbeitslosigkeit rutscht. Diese Kritik an der Chancengleichheit in unserer Gesellschaft macht das Stück so aktuell.

Eifersucht, Missgunst und Neid führen das Finale herbei

Durch Eifersucht, Missgunst und Neid wird das große Finale herbeigeführt, dessen Ausgang zwar schon in der allerersten Szene vorweggenommen wurde, der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Noch vier Aufführungen in Delmenhorst

Die Darsteller überzeugen mit viel Leidenschaft, Authentizität, Humor und gesanglichem Talent. Sie haben ihre Rollen gelebt und mit Spaß gespielt. So empfand auch das Publikum. Zwar waren im Kleines Haus nur 75 Gäste, doch der Applaus und die Standing Ovations zeigten, wie sehr es ihnen gefallen hat. Das Musical Blutsbrüder wird noch vier Mal im Theater aufgeführt.