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Show im Theater Kleines Haus Musicals der Welt zu Gast in Delmenhorst

Von Vincent Buß | 01.01.2019, 15:20 Uhr

Einmal quer durch die Welt der Musicals gesungen haben sich vier Darsteller an Silvester im Kleinen Haus Das lockte auch Besucher auf die Bühne.

Worum es ging, wurde gleich zu Beginn der Vorstellung von „Musicals in Concert“ im Kleinen Haus klar, als es ohne Ansage mit „On Broadway“ losging. Die Lieder aus den Musicals standen im Mittelpunkt, nicht die Geschichten dahinter. Mit Begleitung einer Band wurden sie dargeboten von vier Musicaldarstellern aus dem In- und Ausland, die unter anderem Rollen in „Starlight Express“, „Cats“, „We will rock you“ und „Die Schöne und das Biest“ vorweisen konnten.

Diese Bandbreite spiegelte sich auch bei der Auswahl der Lieder wider. Höchstens von kurzen Informationen zu den Musicals unterbrochen wurden Hits aus „Mozart“, „Ghost“ oder „Cabaret“ herausgehauen. Kostüme wurden nur vereinzelt gewechselt und waren stets schlicht, sodass Stimmung allein durch Stimme, Musik und Licht erzeugt werden musste. Oder durch die Texte. Als eine Darstellerin fast schon wahnsinnig ihren Traum von Spießigkeit vortrug – „gehäkelte Gardinen selbst auf dem Gästeklo –, sorgte das für Lacher im Publikum.

 

Wie ein Gast auf die Bühne kam

 

Fast schon klamaukig wurde es bei „Ich war noch niemals in New York“. Nachdem der Darsteller die ersten Zeilen sang, begleitet vom Publikum, meinte er festzustellen: „Oh Gott, wir haben ein großes Gesangstalent unter uns.“ Kurzerhand zog er ebendieses von den Rängen und teilte sein Mikrofon. Der Gast war zwar relativ text- doch nicht so gesangssicher, sodass das Lied eher zu einem Dialog mit Tanzeinlagen wurde – zur Erheiterung aller.

 

In der Halbzeitpause stellte eine Besucherin fest: „Viele Lieder kannte ich bisher nicht.“ Sie gab zu, noch nicht viele Musicals besucht zu haben, sondern wegen der Musik und Unterhaltung ins Kleine Haus gekommen zu sein. Vielen ebenfalls nicht so Musical-affinen Gästen dürfte es ähnlich ergangen sein.

 

Die zweite Hälfte war anders

 

Mit der zweiten Hälfte wurden nicht nur die Musicals und die Lieder bekannter, sondern die Show nahm auch mehr Schwung auf. Das lag auch an den Ansagen: „Letzte Woche New York, dann London und heute Delmenhorst – läuft bei mir“, stellte eine Darstellerin augenzwinkernd fest und löste damit Gelächter aus. Später wandte sich ihr Kollege ans Publikum mit den Worten: „Wenn Sie Lust haben, etwas Unterwäsche zu zeigen, dieses Musical ist dazu geeignet.“ Daraufhin wirbelte er zu „Sweet Transvestite“ aus der „Rocky Horror Picture Show“ über die Bühne.

Auch bei „I would do anything for love“ aus dem Musical über Meat Loaf wurde deutlich mehr performt als noch in der ersten Hälfte. Für besonders viel Applaus sorgte dann auch ein ungehemmtes Schlagzeugsolo. Und wenn die Künstler bei Duetten miteinander interagieren konnte, wurde aus dem bloßen Konzert fast ein Musical. Etwa bei „Das Phantom der Oper“, als das Phantom um seine Angebetete kreiste.

 

Medley zum Abschluss

 

Zum Abschluss bewiesen alle vier Darsteller bei einem Medley aus dem Musical „We will rock you“, dass ihre professionellen Stimmen nicht nur einzeln, sondern auch mehrstimmig gemeinsam funktionierten und mit der Musik und dem mitklatschenden Publikum standhalten konnten. Die erste etwa zweistündige Aufführung um 15.30 Uhr war im Gegensatz zu der zweiten vier Stunden später nicht ausverkauft und hatte vor allem ein älteres Publikum angezogen. Die sehr traditionellen Arrangements waren vermutlich aber auch genau auf diese Zielgruppe ausgelegt.