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Nach Angriff auf eigene Frau Familienvater aus Delmenhorst muss in geschlossene Klinik

Von Ole Rosenbohm | 08.12.2016, 20:50 Uhr

Er stach seiner Frau allein 27 Mal in den Hals, doch wegen einer geistigen Störung gilt er als nicht schuldfähig: Am Donnerstag entschied das Landgericht Oldenburg, dass ein Familienvater aus Delmenhorst in die Sicherungsverwahrung muss.

Der Delmenhorster, der am 12. Mai seine Ehefrau mit einem Tomatenmesser traktiert und ihr Dutzende Stichverletzungen und Hämatome verabreicht hat, bleibt in psychiatrischer Sicherungsverwahrung. Das entschied am Donnerstag das Landgericht Oldenburg. Die Familienmitglieder machten deutlich, den 33-Jährigen am liebsten wieder zu Hause bei seinen inzwischen drei Kindern zu wissen, auch die zum Tatzeitpunkt schwangere Ehefrau. Zeugenaussagen verweigerten sie allerdings allesamt. Das Bild der Tat wurde mit der Aufnahme des um 3 Uhr von der Schwester abgesetzten Notrufs („Mein Bruder hat seine Frau angegriffen – sie blutet“), mit Fotos des blutverschmierten Schlafzimmers und durch Gutachter zusammengesetzt.

Allein 27 Stichverletzungen im Hals

Trotz der vielen Verletzungen – allein 27 Stichverletzungen am Hals, weitere an Armen, Hämatome am Oberkörper – wertete das Gericht den Überfall auf die schlafende Gattin nicht mehr als Mordversuch, sondern als gefährliche Körperverletzung. Die Schnitte erwiesen sich als nicht als lebensgefährlich. Auch das ungeborene Kind überstand die Schreckensnacht. Die Frage, ob es nun ein Tötungsversuch oder Körperverletzung war, spielte ohnehin eine untergeordnete Rolle. Beim Delmenhorster war schon lange vor der Tat eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden.

Schuldfähig war er deshalb nicht.

Cannabis ließ ihn in den Wahn gleiten

Vermutlich weil er seine Medikamente nicht nahm, zusätzlich noch Cannabis rauchte – die Gutachterin machte hier eine die Symptome stark verstärkende Wirkung aus – geriet er in der Tatnacht in einen Wahn, an den er sich heute möglicherweise nicht einmal mehr erinnert. Noch immer kommt es zu solchen Schüben: Erst vergangenen August verletzte sich der 33-Jährige, untergebracht in der Psychiatrie Karl-Jaspers-Klinik in Wehnen, mit dem Deckel einer Dose absichtlich selbst.

„Nicht für die Tat verantwortlich, aber Familie muss geschützt werden“

„Für Ihre Tat sind Sie nicht verantwortlich“, sagte Richter Sebastian Bührmann. Aber der Staat müsse hier zum Schutz aller – „einschließlich Ihrer Familie“ – eingreifen: „Sie können in Zustände geraten, in denen Sie andere verletzen.“ Ob der dreifache Vater als geheilt gelten kann und damit die Klinik verlassen darf, wird nun – sofern der 33-Jährige nicht in Revision geht – jedes Jahr neu entschieden. „Nichts würde uns mehr freuen, wenn Sie wieder bei Ihrer Familie sind“, sagte Bührmann.