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Nach Attacke auf Rettungssanitäter Feuerwehr Delmenhorst fühlt sich im Stich gelassen

Von Thomas Breuer | 27.09.2016, 20:54 Uhr

Der Berufsverband Feuerwehr in Delmenhorst fühlt sich nach der Attacke auf einen Rettungssanitäter vor einigen Wochen von der Staatsanwaltschaft Oldenburg im Stich gelassen.

Der Beamte der Berufsfeuerwehr war Ende August bei einem Rettungseinsatz von demjenigen, dem er helfen wollte, attackiert worden und hatte Prellungen am Oberkörper erlitten. Daraufhin hatte er Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt. Die Staatsanwaltschaft hat der Einsatzkraft nun schriftlich mitgeteilt, dass das strafrechtliche Verfahren eingestellt worden sei.

„Ein einmaliger Ausrutscher“

Zur Begründung heißt es, der Beschuldigte habe sich bei der Tat am 24. August in einem psychischen Ausnahmezustand befunden und unter erheblichem Medikamenteneinfluss gestanden. Der zuständige Staatsanwalt geht nach eigenen Worten von „einem einmaligen Ausrutscher des ansonsten noch nicht in Erscheinung getretenen“ Mannes aus. Eine Bestrafung halte er unter den gegebenen Umständen „nicht mehr für erforderlich“. Sollte der Beschuldigte allerdings noch einmal auffallen, werde er zur Rechenschaft gezogen.

„Konsequent gegen den Täter vorgehen“

Die Einschätzung der Staatsanwaltschaft kann der Berufsverband Feuerwehr nicht nachvollziehen. In einer Stellungnahme des Vorstandes heißt es: „Angriffe auf Staatsbedienstete stellen stets eine besondere Art der Gewalt auch gegenüber dem Staat dar. Eine konsequente Strafverfolgung ist hier erforderlich. Der betroffene Kollege wird durch die Justiz hier nochmals zum Opfer gemacht.“ Tätern werde so quasi ein Freifahrtschein ausgestellt, heißt es weiter. Der Berufsverband appelliert eindringlich an alle Beteiligten in Politik und Justiz, „konsequent gegen den Täter vorzugehen“.

Es geht nicht nur um strafrechtliche Ahndung

Aber es gehe nicht nur um eine Ahndung des Vorkommnisses, wie der Vorsitzende des Berufsverbandes, Martin Manneck, klarstellt. „Was wäre passiert, wenn der Kollege sich zur Wehr gesetzt hätte?“, fragt er. Und in vielen Fällen sei es das erste Mal, wenn ein Patient die Retter attackiere. Dies aber dürfe kein Freibrief sein.

Schon direkt nach dem Vorkommnis war vom Verband gefordert worden, Helfer für den körperlichen Umgang mit aggressiven Patienten zu schulen. Zudem wird ein Zusatzprotokoll zum Rettungsdienstprotokoll angestrebt, um alle Details der Vorfälle für weitergehende Schritte festzuhalten.

Verband erarbeitet Vorschlagsliste

Der Verband erarbeitet laut Manneck derzeit eine Vorschlagsliste für den Arbeitgeber Stadt Delmenhorst. Die Leitung der Feuerwehr gewähre dabei bislang deutlichen Rückhalt. Im Übrigen geht es laut Manneck nicht nur um einen Einzelfall. Auch auf Bundesebene bewege sich inzwischen angesichts zahlreicher ähnlicher Vorfälle in anderen Städten etwas.

Bereits vor dem Vorfall Ende August hat sich laut Manneck in Delmenhorst etwas ähnliches zugetragen. Hier aber liege die Einschätzung der Staatsanwaltschaft noch nicht vor.