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Nach Brand in London Delmenhorst verbietet umstrittenen Dämmstoff

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 16.06.2017, 16:06 Uhr

Die Delmenhorster Stadtverwaltung reagiert auf den Hochhausbrand in London mit mindestens 30 Toten und verbietet das umstrittene Wärmedämmmaterial Polystyrol an städtischen Gebäuden. Diese Entscheidung des Fachbereichsleiters Andreas Tensfeldt (Gebäudemanagement) hat die Stadt am Freitag in einer Mitteilung veröffentlicht.

Nach dem Brand des Grenfell Towers in London ist die Zahl der Toten am Freitagmittag auf mindestens 30 gestiegen. Für das verheerende Ausmaß des Feuers wird vor allem das verwendete Dämmmaterial verantwortlich gemacht. Die Delmenhorster Stadtverwaltung hat nun für sich Konsequenzen daraus gezogen. „Dieses Wärmedämmmaterial kann im Brandfall äußerst gefährlich sein und bei bestimmten Brandsituationen zu einer sehr beschleunigten Brandausbreitung mit fatalen Folgen für die dort wohnenden oder arbeitenden Menschen führen“, sagt Tensfeldt. „Dies wurde gerade wieder durch den Brand des Hochhauses in London deutlich.“ Ferner sei dieser Baustoff ökologisch bedenklich und laufend in der Diskussion. Inhaltsstoffe, die aus dem Baustoff ausdiffundieren, könnten die Umwelt schädigen. Zudem sei der Energieaufwand bei der Produktion deutlich höher als bei der Herstellung von Mineralfaserplatten. (Weiterlesen: Wie sicher sind die Hochhäuser in Delmenhorst?)

Verwendung von Styropor soll ganz vermieden werden

„Neben dem Verbot von Polystyroldämmplatten als Wärmedämmverbundsystem an städtischen Gebäuden wird auch die Verwendung als Dämmstoff für andere Zwecke mit alternativen Ausführungen verglichen und darüber hinaus geprüft, ob möglichst auch in diesen Fällen die Verwendung von Styropor vermieden werden kann“, sagt Tensfeldt. Für die unterschiedlichsten Maßnahmen zur Wärmedämmung in oder an Gebäuden kommen diverse Baustoffe zum Einsatz. Häufig werden laut Mitteilung Mineralfasermatten oder Styroporplatten, ganz genau Polystyrolschaumplatten, verwendet. Mineralfasermatten, idealerweise aus Steinwolle, werden als „A1-nicht brennbar“ klassifiziert. Polystyrolschaumplatten erreichen lediglich eine Baustoffklassifizierung von „B2-normalentflammbar“, manchmal „B1-schwerentflammbar“.

Mineralfaser ist teurer, aber sicherer

Durch die sich stetig verschärfende Energieeinsparverordnung (EnEV) werden weitergehende Energiesparmaßnahmen an Gebäuden erforderlich. Seit etlichen Jahren wird verstärkt auf die intensive äußere Wärmedämmung von Gebäuden gesetzt. Diese als Wärmedämmverbundsysteme angebotenen Baustoffe basieren häufig auf Polystyrolschaumplatten, die in großen Mengen verwendet werden und gute Wärmedämmeigenschaften besitzen. Mineralfasermatten erreichen vergleichbar gute Werte, sind jedoch oftmals etwas teurer.

Styropor-Platten auch bei Großbrand an der Bremer Straße ein Problem

Die Brandeigenschaften dieser beiden Baustoffe seien jedoch grundlegend unterschiedlich. In den vergangenen Jahren ist es laut Mitteilung immer wieder zu Großbränden gekommen, die durch die rasant schnelle Brandausbreitung an den Fassaden mit Polystyrol-Wärmedämmverbundsystemen fatale Folgen hatten. So entstand beispielsweise im Jahr 2011 ein erheblicher Gebäudeschaden mit massiver Gefährdung der dort lebenden Bewohner in einem Wohnkomplex an der Bremer Straße in Heidkrug. An den dortigen Mehrfamilienhäusern waren Styropor-Wärmedämmverbundsystem-Platten verwendet worden.