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Nach Brüsseler Anschlägen Delmenhorster Pastor fordert „Gesellschaft der Verständigung“

Von Frederik Grabbe | 25.03.2016, 15:58 Uhr

Der Ruf nach Frieden und einer toleranteren Gesellschaft setze immer dann ein, wenn es schon zu spät ist: Dies hat der Delmenhorster Stadtkirchenpastor Thomas Meyer im Karfreitagsgottesdienst kritisiert. Auch vom Thema der Friedenskundgebung des Türkischen Arbeitervereins am Samstag sei er „enttäuscht“.

In seiner Predigt erinnerte Meyer zunächst an das Leiden und Sterben Jesu Christi. „Der Karfreitag ist eine dunkle Stunde, in der Jesu Christ am Kreuz gestorben ist. Es war ein grauenvoller Tod, eine grauenvolle Hinrichtung“, so Meyer. Aus der furchtbaren, menschlichen Erfahrung des Todes, so Meyer später in der Predigt, erwachse in dem Wissen der Auferstehung aber auch etwas Neues. „Menschen, deren Leben von Schmerz, Angst, Verletzung und Abschied gezeichnet ist, wissen, wie furchtbar schwer Versöhnung ist.“ Doch genau dies, die Befriedung der Menschen, fordere das Christ-Sein ein.

Traum einer „Gesellschaft der Verständigung“

Aber Forderungen nach Frieden, nach mehr Verständigung untereinander, seien immer dann am stärksten, wenn Terroranschläge wie die in Brüssel verübt worden seien, kritisierte Meyer. Darum machte er sich – auch in Delmenhorst – für eine „Gesellschaft der Verständigung“ stark, die eben nicht nur punktuell bei solchen Anschlägen wirkt.

Lebensträume von Flüchtlingen „voll berechtigt“

Meyer verdeutlichte dies an zwei Beispielen: So erzählte er von zwei Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan. Der eine wolle später in seinem Land zurückkehren und helfen, die dortige Demokratie aufzubauen; der andere hingegen habe für ein Leben in der Heimat jede Hoffnung verloren und plane eine Zukunft in Deutschland. Beide Lebensträume dieser in Delmenhorst Gestrandeten, so Meyer, seien unterschiedlich, „und voll berechtigt“.

Kritik an Thema von Friedenskundgebung am Samstag

Somit forderte Meyer in seiner Predigt Unterstützung für Flüchtlinge ein, denn „mit sich selbst versöhnte Menschen“ könnten auch zur Versöhnung anderer beitragen. Der Wunsch nach Frieden dürfe nicht auf Egoismus beruhen, sondern müsse gemeinsam „geträumt“ werden. Aus diesem Grund kritisierte der Pastor auch den geplanten Vortrag der Friedenskundgebung des Türkischen Arbeitervereins am Samstag , der danach fragt: „Warum gibt es Kriege auf der Welt?“ „Muss ich das wieder erklärt haben? Das weiß doch fast jeder“, zeigte sich Meyer enttäuscht. Warum lohne es sich, von einer besseren Gesellschaft ohne Parallelgesellschaften, ohne Angst von anderen Kulturen und Religionen und ohne Vorurteile zu träumen? Dies sei die eigentliche Frage, auf die Meyer gerne eine Antwort hätte. Denn der gesellschaftliche Traum nach Frieden lohne sich durchaus.