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Haftstrafe bestätigt Gefängnisstrafe nach Einbruch in Delmenhorst

Von ole rosenbohm | 20.09.2019, 19:48 Uhr

Allen Zweifeln getrotzt hat eine Berufungskammer des Landgerichts Oldenburg jetzt in einem Strafverfahren wegen versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahls.

Verteidigung und auch Staatsanwaltschaft hatten Freispruch beantragt, das Gericht verknackte den 61 Jahre alten Angeklagten dennoch zu einem Jahr und drei Monaten Haft ohne Bewährung.

Der Mann soll an einem Abend vor zwei Jahren mit einem Unbekannten in ein Reihenendhaus in Delmenhorst eingebrochen sein. In den Fokus geriet er dann, weil auf dem Grundstück eine mutmaßlich auf der Flucht verlorene Armbanduhr gefunden wurde, an der ausschließlich seine DNA haftete.

Haftstrafe bestätigt

Im November des Jahres 2017 wurde der Mann verhaftet und – weil er noch Reststrafen absitzen musste – gleich in ein Gefängnis geschickt. Im April verurteilte ihn dann das Amtsgericht Delmenhorst zur erneuten und jetzt bestätigten Haftstrafe.

Zweifel könnten aber angebracht sein an der Sichtweise der beiden Gerichte. Denn als die beiden Täter im Haus von einem 25-jährigen Bewohner überrascht wurden, sollen sie nicht nur in einem „Affenzahn“, wie der Zeuge aussagte, ohne Beute weggerannt sein, sondern überwanden auch noch in einem Zug den knapp 1,80 Meter hohen Holzlatten-Gartenzaun.

Der 25-Jährige erkannte zwar nicht viel, erinnerte sich aber an sportliche Täter, schätzte beide auf „Mitte 20“. Auch eine aufmerksam gewordene Nachbarin sprach von „jüngeren Männern“. Das Erscheinungsbild des Angeklagten passt dazu aber nicht: Er ist kleiner als beschrieben, hat einen leichten Bauchansatz, eine starke Brille und wirkt eher älter denn jünger. Der damals 59 Jahre alte Mann, folgerten Verteidiger und Staatsanwältin, könne unmöglich eine derart sportliche Leistung vollbracht haben.

DNA sichergestellt

Der Angeklagte sagte im Prozess nicht aus – und auch nichts darüber, ob er die Uhr möglicherweise verloren oder verkauft hätte. Er dürfte aber beruhigt gewesen sein, als die Richterin mitteilte, dass ihr bekannt sei, dass nicht jede Berührung eines Gegenstands gleich zu einer DNA-Anhaftung führe – die Uhr könnte also auch jemand anderes getragen haben.

Dennoch sah die Richterin keinen Zweifel, dass der Angeklagte die Uhr auf der Flucht am Zaun verloren hatte. Das Gericht sei zudem angehalten, sich an Tatsachen zu halten und nicht selber zu mutmaßen: etwa ob der Angeklagte die Uhr verkauft haben könnte. Und sie verwies auf eine unscharfe Videosequenz einer Überwachungskamera eines Nachbarn, auf der die rennenden Einbrecher zwar nicht zu identifizieren waren, der Angeklagte aber nicht auszuschließen sei. Die Sequenz runde den DNA-Abgleich ab.

Für den heute 61-Jährigen ist es nicht die erste Haftstrafe. Aus dem damaligen Jugoslawien stammend, wurde er wegen Einbruchsdelikten schon als junger Mann mehrfach verurteilt und auch mehrfach abgeschoben. Zuletzt wurde er 2011 in den Knast geschickt.

Bereits vorbestraft

Seine DNA besitzen die deutschen Ermittlungsbehörden bereits seit einem Verkehrsunfall im Jahr 1997. Damals hatten er, sein Bruder und ein Dritter unter Pistolen-Einsatz zwei Personen gezwungen, aus ihrem Auto auszusteigen. Sie fuhren danach mit dem Wagen weg, bauten aber rund zehn Minuten später einen Unfall, nach dem die drei Männer zwar flüchten konnten, das Blut des jetzigen Angeklagten aber in den Sitzpolstern kleben blieb. Dafür gab es dann zwei Jahre und zehn Monate Gefängnis.