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Nach Lettow-Vorbeck-Streit Delmenhorst will große Linie für Straßen und Bauland

Von Thomas Breuer | 12.05.2016, 18:25 Uhr

Langwierige und zermürbende politische Debatten zu jedem Einzelfall bei Straßenumbenennungen und möglichen kleineren Baulandausweisungen auf privatem Grund – die sollen in Delmenhorst bald der Vergangenheit angehören.

Das ist eine Botschaft aus der jüngsten Sitzung des nicht öffentlich tagenden Verwaltungsausschusses.

Die Politiker sollten unter anderem ein Votum zur möglichen Umbenennung der Lettow-Vorbeck-Straße abgeben. Deren Namensgeber aus Kolonialzeiten wird heutzutage als Rassist eingestuft, ähnlich Carl Peters, der schon vor einigen Jahren aus dem Stadtbild verschwand. Nachdem sich der Planungsausschuss noch dem auf die Gewohnheit verweisenden Willen der Anwohner gegen eine Umbenennung auf SPD-Antrag ausgesprochen hatte , soll die Thematik nach dem Willen des Verwaltungsausschusses nun deutlich weiter gefasst werden. Erklärtes Ziel ist laut Stadtbaurätin Bianca Urban, die der Presse aus der Sitzung berichtete, eine „Gesamtbetrachtung“. Die Namensgeber der Straßen im Stadtgebiet sollen nun insgesamt auf mögliche unzeitgemäße Würdigungen ins Visier genommen werden, anstatt etwa alle paar Jahre ermüdende langwierige Diskussionen über einzelne historische Persönlichkeiten zu führen.

Dialog mit Deutschem Städtetag geplant

Dabei soll laut Urban über den Deutschen Städtetag auch die Erfahrungen anderer Städte einen Ausschlag geben.

Eine große Linie soll nach Möglichkeit bald auch für die Wohnbauentwicklung entwickelt werden. So entschied sich der Verwaltungsausschuss noch nicht für die von der Verwaltung empfohlene Ablehnung privater Wünsche von Bauland-Ausweisungen südlich der Straße „Am Dwoberg“ sowie zwischen Kieler Straße und Feldstraße. Sie sind einmal von einem Eigentümer und einmal von einer Erbengemeinschaft beantragt worden.

Stadtbaurätin Urban deutete an, dass sie sich mit der angestrebten Gesamtbetrachtung gut anfreunden kann. Auch sie müsse zunächst ein Gefühl dafür bekommen, wie viele derartige Einzelfälle es in Delmenhorst gebe. „Wir werden das Thema zeitnah angehen“, stellte die Spitzenbeamtin in Aussicht.