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Nach Ruhestand Goldschmied gibt Betrieb in Delmenhorst weiter

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 24.08.2016, 09:29 Uhr

„Jeder Goldschmied hat seine eigene Handschrift.“ Gilbert Howe hat über die Jahre viele Stücken mit seiner Handschrift versehen. Nun endet diese goldene Ära – sein Betrieb wird in bekannte Hände weitergereicht.

„Mein Vater hat damals gefragt: Was willst du denn sonst machen?“, erzählt Gilbert Howe. Mit etwas elterlichem Druck trat der Delmenhorster vor 49 Jahren seine Lehre zum Goldschmied an und stellt bis heute Ringe, Amulette und Ketten her. Am kommenden Mittwoch endet diese goldene Ära: Der 65-Jährige geht in den Ruhestand und gibt den Betrieb an seine langjährige Mitarbeiterin Britta Vieregge weiter.

Seit 1959 wird in der Werkstatt an der Grünen Straße Schmuck produziert. Damals hat Gilbert Howes Vater alleine gearbeitet, mit den Jahren stieg die Nachfrage nach dem Schmuck und somit auch der Bedarf an Mitarbeitern. Gilbert Howe lernte und arbeite zunächst in Bremen, 1972 wechselte er dann in den elterlichen Betrieb. Über die Jahre brachte er 13 Lehrlingen das Handwerk bei. Eine davon war Britta Vieregge.

Gefühle bei Herstellung wichtig

Vor 21 Jahren wechselte Vieregge in die Werkstatt. Zuvor lernte sie in ihrer Ausbildung zum Juwelier eher das Verkaufen als das Kreieren von Schmuck. „Ich war aber öfter in der Werkstatt als im Laden“, erinnert sich die 43-Jährige. In dem Betrieb von Gilbert Howe könne sie beides verbinden.

„Jeder Goldschmied hat eine eigene Handschrift“, sagt Vieregge. Die Kunden wenden sich mit ihren individuellen Wünschen an die Werkstatt. Danach geht es für die Schmiede zunächst ans Zeichnen. „Ich hatte kein Talent beim Zeichnen, ich habe mir das durch Fleiß beigebracht“, meint Howe. Bei der Herstellung der Schmuckstücke würden eigene Gefühle eine ganz wichtige Rolle spielen.

Howe ist mittlerweile der Einzige seiner Zunft in Delmenhorst, der noch Lehrlinge ausbildet. Laut Goldschmiedeinnung Oldenburg-Ostfriesland ist die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen zwar hoch, es gibt aber nur zehn bis zwölf Stellen in der Region. Das Ausbildungsgehalt liegt laut Innung zwischen 220 und 320 Euro. „Es ist ein reiner Idealistenberuf“, erklärt Ehefrau Monika Howe, die in dem Betrieb die Bücher führt. Die Leidenschaft an der Arbeit mit dem Schmuck stehe über Erwartungen an hohe Löhne.

Vertrauen in Nachfolge

Spaß am Handwerk bedeutet aber nicht gleich Spaß am Tragen von Schmuck. Britta Vieregge produziert nur selten Stücke für sich selbst. „Meine Mutter war meine beste Kundin“, sagt sie. Gilbert Howe konnte seine Frau über die Jahre immer wieder mit Schmuck aus seiner eigenen Anfertigung glücklich machen.

Die Werkstatt gibt der 65-Jährige ohne Bedenken an seine langjährige Mitarbeiterin weiter. In den vergangenen Jahren habe er ohnehin nur noch zehn bis 15 Stunden pro Woche in der Schmiede gebastelt, Britta Vieregge genießt bei der Führung des Betriebs mit sechs Mitarbeitern volles Vertrauen. „Ich bin sehr stolz darauf, dass man mir das Vertrauen gibt“, sagte die Goldschmiedin.