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Nacht der Jugend in Delmenhorst Delmenhorster Jugend feiert die Freiheit

Von Frederik Grabbe | 07.11.2015, 13:28 Uhr

Rathaus und Markthalle in Jugendhand: Am Freitag feierte die Delmenhorster Jugend die Freiheit. Mehr Besucher hätten es trotzdem sein dürfen.

Was verstehen eigentlich Kinder und Jugendliche unter Freiheit? „Draußen sein“, „man darf alles machen“, „feiern, verabreden, glücklich sein“ – dies waren Begriffe, die Schüler der Oberschule Süd auf Papphände geschrieben hatten, die Freitagnacht im Rathaus aushingen: Freiheit war das Thema der zweiten Nacht der Jugend, die dort und in der Markthalle gefeiert wurde. Dabei wurde deutlich, wie vielseitig man sich dem Thema nähern kann.

So haben etwa Jugendliche im Sommer im Rahmen eines Ferienprojektes im Familienzentrum Villa sich mit Freiheitssymbolen beschäftigt. „Zunächst haben sie sich selbst gefragt, was für sie Freiheit bedeutet und sich später mit Freiheitskämpfern wie den Geschwistern Scholl beschäftigt“, so die Villa-Honorarkraft Katharina Martens. Letztendlich wurden persönliche Freiheitssymboliken entworfen, die auf Postkarten gedruckt wurden. Ein fliegender Schmetterling etwa oder ein Erdball, der von einer Feder umrahmt ist. „Die Bilder lassen sich vielfältig interpretieren“, sagte Martens.

„Der Flüchtlingszuzug ist auch bei uns zu spüren“

Auch das Jugendhaus Wittekindstraße wurde kreativ: Es hatte kurze Aussagen von Jugendlichen zur Freiheit als Video aufgezeichnet, um sie als Film bei der Nacht der Jugend zu zeigen. „Der Flüchtlingszuzug ist auch bei uns im Haus zu spüren. Darum war die Religionsfreiheit ein großes Thema“, sagte die Leiterin Teresa Hüser. „Für mich ist es Freiheit, keinen Kriegsdienst leisten zu müssen“, sei zum Beispiel eine weitere Aussage gewesen.

Flüchtlingen wurde bei der Nacht der Jugend oftmals gedacht: Das „Breite Bündnis gegen Rechts“ richtete etwa eine Gesprächsrunde zur Flucht aus und ein Bremer Trio um den Choreografen und Tänzer Markus Hoft, kurzfristig eingesprungen für das Jugendtheater ImProSzenium, tanzte unter anderem ausdrucksstark zu Radiobeiträgen zur Flüchtlingsdebatte: Zwei schwarze Gestalten zerrten an und rangen mit der weißen Freiheit – die letztendlich aber unterlag und an einen Stuhl gefesselt wurde.

Neuer Blick auf Stolpersteine

Bemerkenswert war ferner ein Projekt eines Geschichtsgrundkurses des Max-Planck-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Nordwolle-Museum. Der Kurs hatte sich mit Orten zur NS-Geschichte in Delmenhorst befasst. Schüler hatten eine Plakatwand vorbereitet, die entsprechende Orte abbildete und kurz erläuterte. „Das Thema Judenverfolgung führte uns etwa zu den Stolpersteinen an der Langen Straße“, erzählte der Schüler Sören Rohne (16). „Es war interessant zu sehen, dass die Judenverfolgung auch in Delmenhorst so gegenwärtig war. Ich blicke jetzt auf die Stolpersteine ganz anders, weil ich die Geschichte dahinter kenne.“

Hoher Werbeaufwand, wenig Ertrag

Eine Einschätzung, die Johanna Maskos sicher gerne hört. Sie hatte bei der Bürgerideenbörse die Nacht der Jugend nach Bremer Vorbild erneut vorgeschlagen. „Der Gedanke hinter dem Thema Freiheit war, die Erinnerung an das NS-Regime und den Holocaust wachzuhalten“, sagte Maskos, die sich allerdings mehr Besucher gewünscht hätte. Davon sammelten sich insgesamt 500 in Rathaus und Markthalle, so Johannes Mitternacht vom ausrichtenden Kulturkreis. „Wir sind zufrieden und haben gute Resonanz bekommen. Nun wollen wir prüfen, wie wir noch mehr Schulen an der Nacht der Jugend beteiligen können“, sagte Mitternacht. Und dies in Form von Projekten und von Besuchern. Denn trotz doppelt so hohem Werbeaufwand an den Schulen sei die Besucherzahl nicht höher gewesen als vor zwei Jahren. „Wir sind sicher, wir erreichen mehr, wenn sich mehr Schulen beteiligen.“