Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Nasse Keller in Delmenhorst Uneinigkeit über Grund für Graft-Versumpfung

Von Britta Buntemeyer | 21.01.2015, 19:01 Uhr

Das Wasserwerk fördert derzeit nicht die genehmigte Menge Grundwasser. Dies könnte ein Grund für die Graft-Vernässung sein. Aber auch Regen kommt in Frage.

Die zunehmende Versumpfung der Graft macht auch Jessica Grotheer zu schaffen. Mit einer Pumpe in ausgehobenen Schächten hat sie bereits vor einigen Jahren Vorkehrungen getroffen. Das war, bevor das Wasserwerk 2011 abgestellt wurde. „Wasser gab es hier schon immer, auch bei weniger Regen“, sagt sie. Doch seit 2011 habe die Vernässung zugenommen „Mit der Drainage können wir sofort abpumpen“, sagt sie. Sie habe Glück. Dennoch: „Es kann ja nicht sein, dass eine Pumpe nötig ist.“

Jessica Grotheer gehört zu über 20 Graft-Anwohnern, die derzeit nach Auskunft von Roswitha Ahrens-Groth über eine Vernässung ihrer Häuser und Versumpfung ihrer Gärten infolge der Graft-Versumpfung klagen. Die stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Deichhorst-Stadtmitte vermutet, dass das Wasserwerk weniger Grundwasser fördert. Das Werk pumpt Wasser ab, um eine weitere Vernässung der Anlagen und der Grundstücke zu verhindern. Sowohl Ahrens-Groth als auch das Aktionsbündnis „Rettet die Graft“, bei dem sie Mitglied ist, vermuten eine verringerte Fördermenge als Ursache.

Tatsächlich fördert das Wasserwerk derzeit aufgrund einer technischen Störung weniger als die genehmigte Menge, wie SWD-Sprecherin Britta Fengler mitteilt. Dies geschehe in enger Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde. Seit Ende 2014 ist laut Fengler die Fördermenge von 5000 auf 2500 Kubikmeter pro Tag halbiert worden.

2011 hatte sich die Versumpfung nach dem Abschalten des Wasserwerks zugespitzt. Ende vergangenen Jahres hatte ein Gutachten eine Trinkwasserförderung so gut wie ausgeschlossen, auch da die Trinkwasserversorgung bereits gesichert sei. Die Wiederaufnahme der Förderung war als Lösung zur Graftrettung in Betracht gezogen worden. „Es gibt immer wieder neue Hürden“, kritisiert Ahrens-Groth. „Wir werden Druck machen. Die Menschen halten das nicht mehr länger aus.“ Sie sieht den Knackpunkt in dem Vertrag zwischen der SWD und dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV). Seit 2010 kaufen die SWD jährlich 900000 Kubikmeter Trinkwasser vom OOWV. „Der Vertrag muss aufgelöst werden“, fordert Ahrens Groth.

Nach Auskunft von SWD-Sprecherin Fengler wurde der Vertrag über einen Zeitraum von 20 Jahren geschlossen. Eine vorzeitige Auflösung sei mit einer erheblichen Entschädigungszahlung an den OOWV verbunden. Auch sind laut SWD derzeit großflächige Vernässungen bis weit ins Umland festzustellen, was auf doppelt so viele Niederschläge im Dezember wie im Jahresdurchschnitt zurückzuführen ist.

Laut Stadtsprecher Timo Frers hängt eine Vernässung der Keller nicht mit der Versumpfung der Graft zusammen. Die derzeit verringerte geförderte Menge sei so hoch wie die Menge, die als Trinkwasser vor Abstellen des Wasserwerks abgepumpt wurde. Fachbereichsleiter Fritz Brünjes weist zudem darauf hin, dass eine Vernässung der Keller auch in der Vergangenheit beobachtet wurde und sie auf Regenfälle und den damit verbundenen Anstieg des Grundwassers zurückzuführen sei,

Das Aktionsbündnis „Rettet die Graft“ dokumentiert seit dem 1. Januar den aktuellen Stand der Graft. „Seit nunmehr drei Wochen stehen, mit steigender Tendenz, wieder Teile der Graft unter Wasser. Wir vermuten, dass die Menge des provisorisch geförderten Grundwassers nicht ausreichend ist, um dieses zu verhindern“, schreibt Sprecher Heiko A. Honisch in einer Mitteilung. Das Aktionsbündnis sieht übermäßig hohem Niederschlag nicht als Ursache. Die Regenmenge sei in den Wintermonaten mit Ausnahme des Dezembers unterdurchschnittlich. Der Boden sei gesättigt und könne nicht mehr Wasser aufnehmen.

Joachim Bäcker, Sprecher der Interfraktionellen Arbeitsgruppe Graft, sieht die Ursache für die Vernässung jahreszeitlich bedingt. „Wir haben das schon oft gehabt“, sagt er. „Es hat einfach zu viel geregnet.“

Kommentar