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Neue App wird Lebensretter Handy-App lotst Ersthelfer zu Einsatzorten in der Region

Von Ole Rosenbohm | 19.10.2017, 19:17 Uhr

Eine neue Handy-App alarmiert bei einem Notfall Ersthelfer in der Nähe. Damit soll die Überlebensrate bei Herz-Kreislaufstillständen stark erhöht werden. Rettungswagen brauchen oft viel zu lange.

Das Wichtigste beim Herzstillstand: Zeit. Jede Minute ohne Hilfe, sagen Mediziner, sinkt die Überlebenschance um zehn Prozent. Nach fünf Minuten kommt es zu bleibenden, neurologischen Schäden. Der Rettungswagen braucht aber länger: in Delmenhorst bis zu acht Minuten, auf dem Land bis zu einer Viertelstunde oder in Ausnahmefällen länger.

Gut dran ist, wer von Ersthelfern versorgt wird. An diesem Punkt kommt die neue App „Erleben“ – kurz für „Erhöhung der Überlebensraten nach Herzstillstand“ – auf dem Smartphone ins Spiel. Sie alarmiert Ersthelfer, lenkt sie zum nahen Einsatzort. Gestern ist sie in Oldenburg vorgestellt worden.

Fünf Landkreise und zwei Städte beteiligt

Beteiligt sind die Landkreise Vechta, Oldenburg, Cloppenburg, Wesermarsch, Ammerland sowie die Städte Delmenhorst und Oldenburg. Die App soll helfen, eine im Vergleich verheerende Quote zu verbessern: Denn zurzeit bleiben in Deutschland nur rund fünf Prozent der Infarktpatienten ohne Schäden, im mit viel mehr Ersthelfern ausgestatteten Schweden aber zehnmal so viele.

Mitmachen darf, wessen Herz-Kreislauf-Wiederbelebungskurs nicht länger als zwei Jahre her ist. Wer sich mit den Nachweisen registriert, kann dann im Notfall von der Großleitstelle informiert werden; automatisch und parallel zum Notruf. Die App registriert über Funkpeilung oder GPS, wie weit der Ersthelfer vom Ort des Geschehens entfernt ist.

Feuerwehrchef rechnet mit Erfolg

Zwei alarmierte Helfer werden zum Einsatzort, einer zum nächsten Defibrillator gelotst; meist fußläufig. Wichtig: Helfer können den Einsatz per Knopfdruck auch ablehnen, Daten würden in diesem Fall nicht gespeichert. Zudem sind die Ersthelfer im Einsatz versichert, bekommen bei Wunsch auch eine Nachbetreuung.

Ziel ist die Erhöhung der erfolgreichen Wiederbelebungen auf 40 Prozent. Ambitioniert, aber der Delmenhorster Feuerwehrchef Thomas Stalinski rechnet mit einem Erfolg: „Das Projekt ist mehr als sinnhaft. Ich kann mir eine hohe Resonanz vorstellen.“

App gibt es kostenfrei in den App-Stores

Zielgruppe sind zunächst Menschen mit Erfahrungen: medizinisches Personal, Polizisten, Feuerwehrleute. Aber schon jetzt kann sich jeder anmelden. Erhältlich ist die App kostenfrei im „Google Play Store“ und in Apples „App Store“.

Ähnliche Projekte gibt es zwar bereits. Aber hier hätten sich erstmals mehrere Landkreise zusammengetan, betont Helge Sillmann, Leiter des Rettungsdienstes Vechta. 150000 Euro beträgt der Kostenaufwand. Um Leben zu retten, wohl nicht zu viel.