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Neue Ausstellung eröffnet Kunst (?) in der Städtischen Galerie Delmenhorst

Von Thomas Breuer | 11.07.2015, 20:33 Uhr

Auf Ideen, wie sie Ane Mette Hol und Jan Schmidt haben, muss man erst mal kommen. Wer ihre Kunst verstehen will, sollte Zeit und Aufgeschlossenheit in das Haus Coburg mitbringen.

„Die Kunst ist der Ort, der dem Überflüssigen huldigt.“ Diesen Satz hat die Leiterin der Städtischen Galerie, Dr. Annett Reckert, am Freitagabend gesagt, als sie die neue Ausstellung „Condition Report“ (Zustandsbericht) mit Arbeiten von Ane Mette Hol und Jan Schmidt eröffnete. Es sind Worte wie maßgeschneidert für die bis zum 6. September zu sehende Präsentation.

„Ist das hier auch Kunst?“

„Ist das hier auch Kunst?“, fragt eine Besucherin beim Anblick einer auf den ersten Blick leeren Leinwand von Jan Schmidt, die mit „Das Paradiesgärtlein“ betitelt ist. Die Vermutung liegt nahe, dass jemand ein falsches Schildchen angebracht hat. Wer es eilig hat, geht kopfschüttelnd weiter, wer sich darauf einlassen mag, tritt näher heran, schaut von der Seite auf die Oberfläche – und entdeckt Konturen: die im Fachjargon Krakelee genannten „Falten des Bildes“, wie es Reckert umreißt. Schmidt hat sie festgehalten und so etwas Neues, sehr Unscheinbares geschaffen.

105 Minuten startende Maikäfer

Vielseitig ist der Mann. Aus einer Mamorplatte wird er noch vier Wochen lang im Haus Coburg feine Zwischenräume heraussägen und den anfallenden Staub zu einem weiteren Kunstwerk auf dem Parkett arrangieren. Derweil flimmert in der Remise sein 105-minütiger Film, der 500 nummerierte Maikäfer zeigt, die einer nach dem anderen losfliegen.

Ist das Kunst?

Scheinbar achtlos in der Ecke

Die Arbeiten von Ane Mette Hol passen insofern gut zu Schmidts Werken, weil diese Frage auch hier angebracht scheint. Da stehen Kartons für Leuchtmittel scheinbar achtlos in der Ecke oder liegen in einer Vitrine. Man muss schon wissen, dass die Norwegerin diese Objekte akribisch in künstlerischer Kleinarbeit nachgebildet hat. Selbsterklärend ist diese Art von Kunst jedenfalls nicht.

Der Besucher muss genau hinsehen

Reckert hat sich mit Blick auf Jan Schmidt und Ane Mette Hol festgelegt: „Dinge, die sonst Produktionshelfer und Objektträger sind, bringen diese Beiden zum Strahlen.“ Ein Strahlen freilich, das sich auf den Besucher nur überträgt, wenn er sehr genau hinsieht, dazu Zeit und Aufgeschlossenheit mitbringt. Wem dieser Einsatz zu hoch ist, der bleibt besser zu Hause, um die Galerie in diesen Tagen nicht als Ort des allzu Überflüssigen wahrzunehmen.