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Dung, Tierhäute, strahlende Bilder Neue Ausstellung in Delmenhorst hebt abseitige Facetten hervor

Von Bettina Dogs-Prößler | 09.05.2019, 22:17 Uhr

Ein Fresko mit weiblichen Gottheiten im Herrenzimmer des Haus Coburg, Dung-Kunst als Bekenntnis zur Natur, Bilder mit wortwörtlicher Strahlkraft: Die Kunst des Hamburgers Dirk Meinzer hebt Gegensätze und das Abseitige hervor. Jetzt ist sie im Haus Coburg zu sehen.

Dirk Meinzer ist ein Entdecker. Ein Hobby-Biologe. Ein Verhaltensforscher und ein Kalligraf, ein Philosoph, ein DJ und ein Nachtarbeiter. Aber vor allem ist Dirk Meinzer eines: ein experimenteller Künstler mit einem Faible für das Gegensätzliche und Abseitige. Einem, dem die Städtische Galerie ihre aktuelle Ausstellung widmet, in der sich die Vielschichtigkeit seines Schaffens eindrucksvoll wiederfindet.

150 Werke von Dirk Meinzer sind zu sehen

Mit „Das Blaugrüne Dasein“ präsentiert Galerieleiterin Dr. Annett Reckert zusammen mit ihrem Team nach der Sammlung „Der Duft der Bilder“ wieder Werke eines einzelnen Künstlers, in diesem Fall die des Hamburger Gegenwartmalers Dirk Meinzer, Baujahr 1972, der es vor seinem Kunststudium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg kurz mal auch mit Betriebswirtschaft und Philosophie probierte. Vor allem Letzteres zieht sich wie ein leuchtender Faden durch die Werke des 47-Jährigen, von denen bis zum 11. August insgesamt 150 sowohl im Haupthaus als auch in der Remise zu sehen sein werden.

Fresko mit weiblichen Gottheiten

Vor dem Hintergrund der Ausstellung hat Meinzer auch die Wandbekleidung des einstigen Coburg’schen Herrenzimmers optisch umgestaltet und per Hand eine Art Tapetenfresko mit ausschließlich weiblichen Gottheiten geschaffen, das wie ein nachträglich mahnendes Gegengewicht zu der einst nur den Männern vorbehaltenen Nutzung des Raumes wirkt.

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Workshop und Finnissage

Nach der offiziellen Ausstellungseröffnung am Freitagabend um 20 Uhr wird Dirk Meinzer noch zwei weitere Male in Delmenhorst sein: Am Samstag, 1. Juni, leitet er den Künstler-Workshop „Dungkrieger“ für Kinder ab zehn Jahren, bei dem Kinder aus Draht, Zement und Kuhdung Selbstportraits herstellen. Außerdem ist er am Sonntag, 11. August, als DJ der Finissage zu Gast. Darüber hinaus hat die Galerie wieder ein vielfältiges Zusatzprogramm für Kinder und Erwachsene geplant. Das Programm sowie alle Veranstaltungen rund um die Ausstellung gibt es unter www.staedtische-galerie-delmenhorst.de. 

Bilder mit wortwörtlicher Strahlkraft

Der Titel „Das Blaugrüne Dasein“ ist durchaus tief gestapelt. Beide Farben finden sich zwar in ihrem vielseitigen Facettenreichtum in verschiedenen Arbeiten wieder, sparsam geht Meinzer aber auch mit anderen Farben nicht um. So hat er einem Teil seiner Bilder phosphoreszierendes Gesteinsmehl beigemischt mit dem Effekt, dass sie mit zunehmend schwindendem Tageslicht eine ganz eigene Strahlkraft und Dynamik entwickeln.

Dung-Kunst als Bekenntnis zur Natur

Seinen Hang zu tierischen Ausscheidungen präsentiert Meinzer in einer Skulptur aus Kuhdung, was wie die Zeichnung auf Papier aus Elefantendung jedoch nur seine große Verbundenheit zur Natur zur Schau stellt. Verstörend wirkt eher die Verwendung von Tierhäuten wie Krokodil- oder Schlangenleder, die der 47-Jährige einst aus der Asservatenkammer bezog, um sie wie zu einem letzten stillen Protest in ästhetischer Vollkommenheit dem Unvergänglichen zu übergeben.

Gegensatz als zentrales Element

Mit seinen Werken – gezeigt werden traditionell gemalte Bilder, Arbeiten auf Papier, Künstlerbücher, Skulpturen, Installationen und auch ein Video – verschreibt sich Meinzer der intensiven Begegnung mit dem Gegensätzlichen. Dabei mahnt er nicht an, vielmehr lädt er zur entschleunigten Betrachtung auf seine Werke ein, die immer mehr von sich preisgeben, je mehr Zeit man sich ihnen widmet.